Matthew Diffee – Indiana Jones mit einer Bibel

Die Cartoons sind das Markenzeichen des legendären, seit 1925 erscheinenden US-Magazins „New Yorker“. Fünfzehn bis zwanzig davon finden sich in jeder Ausgabe. Dort vertreten zu sein, ist der ultimative Ritterschlag für amerikanische Cartoonisten. Da wundert es nicht, dass wöchentlich hunderte von Einsendungen über den Tisch des zuständigen Redakteurs gehen.

Indiana Jones mit einer Bibel
Unter diesen schwierigen Bedingungen schaffte es Matthew Diffee bereits über hundert Mal in den letzten zwölf Jahren mit einem Cartoon ins Magazin. Dabei wollte er eigentlich Missionar werden. Denn das stellte er sich vor, wie Indiana Jones mit einer Bibel zu sein. Aus einem christlich-fundamentalistischen Elternhaus im texanischen Denton stammend – ein Hintergrund, den man bei einem Cartoonisten nicht unbedingt erwartet –, studierte er in South Carolina Theologie und Kunst, verlagerte sich dann aber ausschließlich auf letzteres. Seine zeichnerischen wie auch seine humoristischen Fähigkeiten sieht er als gottgegeben – sie zu benutzen, müsse Gott also gefallen.

Rejection Collection
Nach dem Studium ging Diffee nach Boston, wo seine Karriere als Cartoonist begann. Er nahm an einem vom „New Yorker“ und einem Hotel gesponserten Zeichnerwettbewerb teil und gewann. So traf er Robert „Bob“ Mankoff, den Cartoon-Redakteur des „New Yorker“, der ihn ermutigte weiterzuzeichnen. Bereits drei Wochen später wurde sein erster Cartoon veröffentlicht – seine erste Veröffentlichung überhaupt. Mittlerweile gehört er nicht nur zu den Stammzeichnern, er hat auch zwei ganz besondere Bücher im Zusammenhang mit dem „New Yorker“ herausgegeben: „The Rejection Collection“ – eine Sammlung von Cartoons, die das Magazin abgelehnt hat.

Resterampe de luxe
Politisch inkorrekt, beleidigend, zu viel Sex, zu viel Religionskritik – Cartoons solcher Art sind in dieser „Resterampe de luxe“ (Stern) enthalten. Auf die Idee einer „Rejection Collection kam Diffee, als er einen Stapel abgelehnter Zeichnungen durchsah und bei einigen dachte: „Das ist lustig! Warum haben sie das nicht gekauft?“ So müsse es den anderen Zeichnern doch auch gehen. Also traf er eine eigene Auswahl von Cartoons, die einfach zu gut sind, um sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Und der Erfolg gab ihm recht. Die Verkaufszahlen waren so gut, dass bald ein zweiter Band folgte. Seit September 2011 gibt es die „Rejection Collection“ auch auf Deutsch. Unter dem Titel „Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte“ brachte der Münchner Liebeskind Verlag eine Auswahl aus dem ersten Band heraus.

Keine Konkurrenz
Ganze dreißig „New Yorker“-Zeichner konnte Diffee für das Projekt gewinnen, was auch auf eine große Verbundenheit zwischen den Cartoonisten schließen lässt. Man sitzt in einem Boot, so Diffee. Das Geschäft sei manchmal auch frus-trierend – schließlich werde etwa 90 Prozent aller Einreichungen abgelehnt.

In einer Konkurrenzsituation zum Magazin sieht Diffee das Projekt indes nicht. Die Cartoons seien dort nicht aufgrund mangelnder Qualität abgelehnt worden, sondern weil sie einfach nicht ins Konzept gepasst hätten. Und andersherum: „Was in den ‚New Yorker’ passt, passt nicht in die ‚Rejection Collection’.“

Ein echter Allrounder
Diffees Tätigkeit als Cartoonist beschränkt sich fast ausschließlich auf den „New Yorker“. Er habe niemals ein Cartoonist im Allgemeinen sein wollen, er habe ein „New Yorker“-Cartoonist sein wollen, so Diffee, der Steve Martin, Monty Python und Woody Allen zu seinen Vorbildern zählt. Ansonsten tritt er gelegentlich als Stand-up-Comedian auf und veranstaltet in unregelmäßigen Abständen „The Steam Powered Hour“ (dt: „Die dampfbetriebene Stunde“), eine Bühnenshow, die Bluegrassmusik mit Stand-up-Comedy und Cartoons verbindet. Kürzlich gewann er ein Joggling-Rennen, eine Sportart, die Laufen und Jonglieren verbindet. Ein echter Allrounder also.

Diffee gab bisher heraus: „The Rejection Collection Vol. 1+2“ (2006 + 2007, Gallery Books), „Die besten Cartoons, die der New Yorker nie druckte“ (2011, Liebeskind Verlag), „The Best of the Rejection Collection“ (2011, Workman Publishing)

The Rejection Collection – Die besten
Cartoons, die der New Yorker nie druckte
3. März bis 29. April 2012
Öffnungszeiten: Do, Fr 14 bis 20 Uhr
und Sa, So, feiertags 12 bis 20 Uhr
Ort: CARICATURA – Galerie für
Komische Kunst im KulturBahnhof,
Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel
Öffentl. Führung:  Jeden So um 15 Uhr
Eintritt: 4,- Euro

Kontakt:
Telefon: (0561) 776499
www.facebook.com/caricaturagalerie
www.caricatura.de

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