Mut, Talent und ein unbändiger Wille

Ex-Bundesliga-Torwart Gerd Welz überlebte eine schlimme Verletzung und kehrte ins Tor zurück

Gerhard Welz. Ein Mann aus Frankfurt, der aus dem fußballerischen Niemandsland kam und in die Bundesliga wollte. Dort angekommen, hätte er sogar Weltmeister werden können. Doch dem mutigen Torhüter wurde seine couragierte Spielweise zum Verhängnis. Eine schwere Kopfverletzung verhinderte die ganz große Karriere. Doch Welz kämpfte sich zurück ins Leben und, was als ausgeschlossen galt, zurück ins Fußballtor. Heute lebt Welz im Bad Wildunger Ortsteil Reinhardshausen, wo seine Frau ein Bistro betreibt. Mein Besuch bei ihm wurde zu einer Reise in meine eigene Vergangenheit.

Gerd Welz, hier bei einem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, bewies bei seinen Abwehraktionen neben viel Geschick auch immer wieder viel Mut. Foto: Werek

Gerd Welz, hier bei einem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, bewies bei seinen Abwehraktionen neben viel Geschick auch immer wieder viel Mut. Foto: Werek

Klein war ich und schmächtig, zehn Jahre jung, und ich spielte in meinem Dorfverein Fußball. Verteidiger, und das mehr schlecht als recht. Bis ich irgendwann im Herbst 1972 die Sportschau sah. Noch in schwarz-weiß. Ich weiß nicht mehr, gegen wen der 1. FC Köln da spielte, und auch sonst weiß ich von der Sendung nichts mehr. Dafür weiß ich aber noch genau, dass da ein Torwart für die Kölner spielte, ach was, ein Torwart, ein Verrückter, der sich den Gegnern vor die Füße warf, der durch sein Tor flog und der für mich unfassbar mutig war. So wollte ich werden. So mutig, so gut, so besessen. Die Folge: Ich wechselte mit Billigung meiner Eltern zu einem der großen Vereine nach Kassel, behauptete dreist, ich sei Torwart. Zu Beginn meiner Karriere als Ballfänger bereute ich einige Male meine Hochstapelei und musste viel Lehrgeld zahlen, doch ich lernte, biss mich durch, und während all meiner Torhüter-jahre hatte ich immer diesen Keeper als Vorbild im Kopf. Sogar dann noch, als ich es um ein Haar in den Profifußball geschafft hätte.

Der unbändige Wille siegt
2. März 1974. Ein klassischer Fußballsamstag. Im Fernsehen wird abends die unglaubliche Szene gezeigt. Der Kölner Torwart Gerhard Welz prallt mit dem HSV-Stürmer Peter Hidien zusammen. Welz liegt am Boden, wird von seinem Mitspieler Wolfgang Weber aufgehoben und bricht sofort wieder zusammen. Sein Unterbewusstsein will ins Tor, der Körper macht nicht mit. Unfassbare Bilder, die vom unbeugsamen Willen eines im besten Sinne Fußballverrückten zeugen. Sein Wille siegt. Welz spielt das Spiel zu Ende. Doch kurz darauf prallt er beim Training gegen einen Torpfosten, muss zum Arzt. Dessen harte Diagnose: Ein Blutgerinnsel im Kopf. Akute Lebensgefahr.

Während 104 Tage später die Weltmeisterschaft im eigenen Land ohne Welz stattfindet, kämpft der Keeper nach einer Notoperation um sein Leben. An eine Fortführung der Karriere denkt da niemand. Außer ihm selbst. Und sein Wille ist stark. Welz schafft zwar das medizinische Wunder und steigt nach einem Jahr Zwangspause wieder ins Kölner Training ein, dort aber hat sich der junge Harald Schumacher etabliert.

Welz gibt nicht auf, will nicht als Ersatzmann auf der Bank sitzen müssen und wird zum Fußball-Vagabunden. Er heuert bei Preußen Münster an, überzeugt als Torwart und als Führungsspieler und verpasst nur denkbar knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Ebenso später bei Tennis Borussia Berlin und Fortuna Köln. In Oberhausen, beim Traditionsverein Rot-Weiß, lässt Welz seine lange Karriere ausklingen. „Das waren alles gute Vereine, denen ich helfen konnte, ihr Potenzial zu entwickeln“, sagt Welz über die Stationen, in denen er zeigen konnte, welch außergewöhnlich guter Torwart er noch immer war.

Gerd Welz heute in seinem Bistro. Foto Mario Zgoll

Gerd Welz heute in seinem Bistro. Foto Mario Zgoll

Kontakte und alte Weggefährten
Zu vielen Mitspielern hat Gerhard Welz noch Kontakt. Fotos an der Bistro-Wand zeigen ihn Arm in Arm mit dem großen Sepp Maier, große Stars von damals hängen gleich daneben. Viele von ihnen wie Klaus Fischer oder Uli Stein besuchen Welz auch gern in Bad Wildungen, reden mit ihm über alte Zeiten. Beim FC ist er gern gesehener Gast, wenn wieder eines der Rheinderbys gegen den ewigen Konkurrenten aus Mönchengladbach ansteht. Doch Welz lebt nicht in der Vergangenheit, ist häufig unterwegs, gern auch in Italien. Dort entwickelte er sein Talent als Hotelfachmann.

Ein Pokalfinale, das für immer bleibt
90 Bundesliga-Spiele absolvierte Gerhard Welz, dazu mehr als 200 Zweitliga- und Regionalligaspiele. Mit keinem Spiel aber ist sein Name so eng verbunden wie mit dem DFB-Pokalfinale 1973. Sein FC spielte gegen Borussia Mönchengladbach. Bis heute gilt dieses Spiel als das beste Pokalfinale der deutschen Geschichte. Welz und sein Gladbacher Gegenüber Wolfgang Kleff hielten überragend, Welz krönte seine Leistung noch, als er einen platzierten Foulelfmeter von Jupp Heynckes hielt und sogar festhielt. Doch Günter Netzer wechselte sich in der Verlängerung in einem im deutschen Profifußball wohl einmaligen Akt selbst ein, und eben dieser Netzer schoss wenige Minuten darauf den Siegtreffer. Ein Traumtor. Fast zufällig, aber genial. Welz war machtlos.

Am 1. Februar wurde Gerhard Welz 69 Jahre jung. Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

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