Petra Friedrich: „Das Amt macht glücklich“

Kassels Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich. Foto: Mario Zgoll

Kassels Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich. Foto: Mario Zgoll

Ich habe Respekt vor dem Amt und Respekt vor den Menschen, die vor mir sitzen, sagt Kassels Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (SPD). Seit Mai 2011 bekleidet sie dieses hohe Ehrenamt. Das sperrige Wort „Stadtverordnetenvorsteherin“ ersetzt sie lieber durch „1. Bürgerin“, denn genau das ist damit gemeint: Petra Friedrich vertritt Kassels Bürger und Bürgerinnen. Sie repräsentiert die Stadtverordnetenversammlung in der Öffentlichkeit und leitet die regelmäßig stattfindenden Sitzungen.

Kassels 1. Bürgerin
71 Stadtverordnete, Kommunalpolitiker verschiedener Fraktionen, wollen unter einen Hut gebracht werden. Egal ob heftig diskutiert oder eisig geschwiegen wird: Die Stadtverordnetenvorsteherin hat die Aufgabe, den Überblick zu bewahren. Da heißt es schnell Entscheidungen treffen, pragmatisch sein und bei Bedarf durchsetzungsfähig.

Petra Friedrich stellt sich diesen Herausforderungen sehr gern. Die 54-Jährige ist in einem politischen Haushalt im Kreis Hersfeld-Rotenburg aufgewachsen. Vier sozialdemokratische Familien-Generationen hatten die Chance, miteinander zu diskutieren und haben das ausgiebig getan. „Ich war immer mittendrin in der Politik“, sagt Petra Friedrich. 1998 hat sie sich dann zum Eintritt in die SPD entschieden, und beschloss aktiv zu werden und mitzugestalten. Und zwar zusätzlich zu ihrem beruflichen Engagement. Seit 1975 ist sie beim Landeswohlfahrtsverband in Kassel. Sie sei Regionalmanagerin beim Integrationsamt, erzählt sie, zuständig für die Sicherung von Arbeitsplätzen schwerbehinderter Menschen.

Der Familien-Rhythmus ändert sich
Für das Ehrenamt gewährt der Arbeitgeber eine Teilfreistellung. Ihr ist wichtig, dass das berufliche Engagement nicht leidet. Sechs Stunden Arbeit pro Woche im Stadtverordnetenbüro im Rathaus, die regelmäßigen Stadtverordnetensitzungen und zahlreiche Repräsentationstermine gehören zum Ehrenamt dazu. Das Familienleben hat einen neuen Rhythmus bekommen. „Das geht nur, weil mein Mann Heinz mich unterstützt, mir ganz viel abnimmt und voll hinter meiner Arbeit steht“, so die SPD-Politikerin.

Es ist wichtig, Prioritäten zu setzen
Tochter Felicia ist 24 Jahre alt und geht infolge ihrer Behinderung einen besonderen Weg. Sie arbeitet in einer Werkstatt in Bebra. „Ich habe gelernt, zu kämpfen“, sagt Petra Friedrich. „Ich musste mich bei den Institutionen durchsetzen. Frühförderung war, als Felicia klein war, noch in den Anfängen. Es war und ist ein schwieriger Weg, wenn man ein behindertes Kind hat.“ Unaufgeregt und völlig unprätentiös erzählt sie von ihrer besonderen Familiensituation, die sie eines gelehrt hat: „Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen.“

Ein Amt, das glücklich macht
Als sie das Ehrenamt der Stadtverordnetenvorsteherin übernommen habe, habe ein Parteikollege ihr versichert, das Amt werde sie glücklich machen. „Er hat Recht behalten“, strahlt sie. Das Amt gebe ihr viel zurück. Weil sie versuche von jedem Termin, jeder Begegnung etwas mitzunehmen. Man lerne immer dazu. Als optimistisch bezeichnet sie sich „Optimisten sind wie ein Sonnenschein im Leben.“ In Nordhessen lebt sie gern, die Nordhessen seien selbstbewusster geworden, egal, ob es sich um Themen wie Grimm, wirtschaftliche Situation oder Ahle Wurscht handele.

Zum Ausgleich ist Petra Friedrich übrigens zusammen mit ihrem Mann im Bergpark unterwegs. „Wir walken bei Wind und Wetter.“

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