Stille Wasser – Die mystischen Welten des Philipp Weber

Malt fotorealistische Motive: Künstler Philipp Weber. Foto: Mario Zgoll

Malt fotorealistische Motive: Künstler Philipp Weber. Foto: Mario Zgoll

„Es geht um die zweite Ebene“, sagt Philipp Weber. „Um das, was hinter der nur scheinbar glatten Oberfläche verborgen liegt.“ Denn was auf den ersten Blick wie ein Blow-up längst bekannter Stereotypen der Werbeindustrie wirken kann – die unwirkliche Ästhetik einer heilen, nahezu klinisch-reinen Welt, fernab jeder Realität – entfaltet auf seinen Bildern bei längerer Betrachtung fast unweigerlich eine geradezu magische Anziehungskraft: Irritiert durchfährt es den Betrachter, dass da mehr ist, dass etwas Unsichtbares, Unfassbares, mitunter sogar Bedrohliches die Leinwand beherrscht, sich manifest und zugleich doch rein metaphysisch neben das hochästhetische Antlitz, das gesamte, oft erotisch aufgeladene Erscheinungsbild von Mädchen wie Kristina, Katharina, Nadine und Nora geschlichen hat. Auf der Suche nach Vergleichbarem in der Kunstgeschichte, stößt man – wie auch die Kunstwissenschaftlerin Regina Bärthel in Philipp Webers bei Kerber Art erschienenen Katalog „Weiße Herzen – Malerei und Grafik 1997–2008“ – früher oder später auf die Präraffaeliten des 19. Jahrhunderts, mit herausragenden Malern wie Edward Burne Jones oder John William Waterhouse. Letzterer wählte als Motive unter anderem „Die Lady von Shalott“, „Die Zauberin“, „Eine Meerjungfrau“ und malte Frauen aus der griechischen Mythologie – auch hier finden sich nicht nur formale Parallelen zur Vorgehensweise von Philipp Weber, dessen Werke und Werkserien Titel tragen wie „Strandelfen“, „Prinzessinnen“, „Die Jagd“ oder „Die Rivalinnen“, so das Leitmotiv der aktuellen Serie, die derzeit in seinem Kasseler Atelier in der Ludwig-Mond-Straße entsteht.

Professionelle Modelle
„Wenn sich die Ideen für eine neue Gemäldeserie verdichtet haben“, erzählt Philipp Weber, „beginne ich mit der Recherche und den ersten Skizzen für meine Motive.“ Diese werden, als Malvorlage, vor dem Beginn jedes Gemäldes zunächst als Fotoszene arrangiert und unter professionellen Studiobedingungen aufgenommen. „Ganz zu Anfang habe ich dabei noch mit Freundinnen gearbeitet. Doch da zeigte sich schon bald, dass es extrem schwierig werden kann, wenn man einen bestimmten Gesichtsausdruck, eine spezielle Körperhaltung seiner Modelle braucht; insbesondere, wenn mehrere davon an der Umsetzung eines Motivs beteiligt sind.“ Daher arbeitet Weber, der ein zweites Atelier in Berlin unterhält, schon seit Jahren mit professionellen Agentur-Models, sogar deren Kleidung lässt er – wenn es die Szene erfordert – extra anfertigen. „Nach der Grundierung der Leinwand, in mehreren Schichten, trage ich zunächst eine sehr genaue Vorzeichnung auf. Eine dünne Untermalung in Acryl bildet die Basis für die erste Ölschicht, mit magerem, schnell trocknenden Malmittel, zum Anlegen von Licht und Schatten. Die zweite, teilweise lasierende Ölschicht, angelegt mit langsam trocknenden Farben, dient dann zur Steigerung von Farbbrillanz und Detailgenauigkeit, bevor nach letzten Lasuren und Korrekturen abschließend die Firnis aufgetragen wird“ – ein Arbeitsprozess, der pro Bild insgesamt zwischen einem und drei Monaten dauern kann.

Stationen eines Meisters
1974 in Rostock geboren, wurde Philipp Webers ausgeprägtes künstlerisches Talent schon früh entdeckt und gefördert. Nach ersten akademischen Erfahrungen als Kunststudent auf Burg Giebichenstein in Halle kam er 1996 nach Kassel, um dort im Fachbereich Freie Kunst der Kunsthochschule bei den Professoren Rob Scholte und Kurt Haug zu studieren – insbesondere der dem Diktat der Abstraktion gelassen trotzende Haug war es, dessen realistische Malauffassung Weber anzog. An der Universität der Künste in Berlin perfektionierte er ab 2000 seine Beherrschung der Maltechniken Alter Meister, um dort 2002 schließlich seinen Abschluss als Meisterschüler von Prof. Wolfgang Petrick zu machen. Seine Arbeiten wurden bislang bei zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen sowie auf großen Kunstmessen gezeigt, darunter auf der Art Karlsruhe, in Amsterdam, in Wien, auf der KIAF in Seoul (Korea), auf der CIRCA in Puerto Rico und derzeit auf der SCOPE in New York. Philipp Webers Gemälde können über die Galerie Ulrich Gering (Frankfurt), die Galerie T40 (Düsseldorf) und die Galerie von Braunbehrens (München) erworben werden, zu Preisen von etwa 5.000 Euro für kleinere Formate bis hin zu 30.000 Euro und mehr für großformatige Werke.

www.philippweber.com

Ein Kommentar

Roland Rafael Repczuk

Die Reise in das unbekannte Land
Das Abenteuer spielt immer in einer Ungewißheit,
und ist damit gar nicht so weit von uns entfernt.
Wir müssen es nur zulassen.
Sehr schöner Artikel

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