Thomas Bockelmann: Was für eine Tradition!

Thomas Bockelmann ist seit 2004 Intendant am Staatstheater Kassel. Foto: Mario Zgoll

Thomas Bockelmann ist seit 2004 Intendant am Staatstheater Kassel. Foto: Mario Zgoll

Als Thomas Bockelmann 2004 die Intendanz am Staatstheater Kassel übernahm, musste das Theater aufgrund von Sanierungsarbeiten am Stammhaus an Ausweichorten spielen. Trotz dieses durchaus schwierigen Entrée gelang es Bockelmann die Zuschauerzahlen zu steigern und dem Staatstheater nicht zuletzt durch die Arbeit mit jungen Regisseuren überregionale Aufmerksamkeit zu bescheren. Jérôme sprach mit Thomas Bockelmann über Karriere, Zukunft und was man in dieser Spielzeit auf keinen Fall verpassen sollte.

Jérôme: Welcher Schritt war in Ihrer Karriere von größter Bedeutung?

Thomas Bockelmann: Intendant in Kassel zu werden . . .

Hier steht mit dem Ottoneum das älteste Theatergebäude auf dem europäischen Festland nördlich der Alpen. Das Fridericianum ist das älteste Museumsgebäude in Europa, das hiesige Orchester ist 505 Jahre alt und hatte schon Dirigenten wie Gustav Mahler. Was für eine Tradition! Und die bedeutendste Ausstellung moderner Kunst auf der Welt, die documenta, macht die Leute seit über 50 Jahren zu „Zeitgenossen“ im besten Sinne des Wortes. Was kann es also schöneres geben, als in dieser Stadt das Staatstheater leiten zu dürfen?

Jérôme: In wie weit konnten Sie sich als Intendant und Schauspieldirektor des Kasseler Staatstheaters verwirklichen?

Thomas Bockelmann: Diese Frage muss eigentlich dem Publikum gestellt werden. Da die Zuschauer- und Abozahlen in den vergangenen vier Spielzeiten gerade auch bei den jungen Zuschauern in schöner Weise gestiegen sind — was überhaupt nicht heißt, das Pu-blikumsinteresse könne nicht noch größer werden — und wir auch in der überregionalen Kritik nicht unbeachtet bleiben, macht zuversichtlich, dass unsere künstlerischen Konzepte so falsch nicht sein können. Persönlich hat mich besonders gefreut, dass wir mit unserer Uraufführung „Morgen in Katar“ von Theresia Walser zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen wurden — und dies war das erste Mal, dass dem Staatstheater Kassel diese Ehre zuteil wurde. Auch dass mit Lorenzo Fioroni in der Oper sowie Schirin Khodadadian, Sebastian Schug und Jette Steckel im Schauspiel gleich vier junge, bei uns arbeitende Regisseure in den letzten Jahren mit Regiepreisen bedacht wurden, zeigt, dass wir ganz gute „Trüffelschweine“ sind.

Jérôme: Was hat den Ausschlag gegeben diese neue Herausforderung 2004 anzunehmen?

Thomas Bockelmann: Wesentlich war für mich, dass es unter den 500 Beschäftigten des Staatstheaters Kassel sehr viele hochmotivierte, fähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt. In diesem Haus herrscht ein guter Geist und der Anspruch, auch ambitionierte künstlerische Projekte möglich zu machen. Dies hat sicherlich auch mit der o. g. großen Theatertradition in Kassel zu tun.

Jérôme: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft ?

Thomas Bockelmann: „Das Gute ist der Feind des Besseren“ — deshalb wollen wir uns nicht auf Erfolgen ausruhen, sondern wach und engagiert noch besser werden. Denn nichts ist am Theater so lange her, wie die Vorstellung von gestern . . .  Ich bitte allerdings um Verständnis, dass wir unsere konkreten Pläne für die kommende Spielzeit erst in einer Pressekonferenz im nächsten Frühjahr bekannt geben werden.

Jérôme: Was ist aus Ihrer Sicht in nächster Zeit die bedeutendste Premiere im Kasseler Staatstheater?

Thomas Bockelmann: Im Musiktheater möchte ich die Aufmerksamkeit auf unsere Barockoper — mit dem für Kassel recht beziehungsreichen Titel —­ HERCULES von Georg Friedrich Händel lenken, die Premiere ist am
20. Dezember 2008. Und im Schauspiel steht am 30. Januar 2009 die Premiere des Stückes der Stücke HAMLET von William Shakespeare an …

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