Hier lässt es sich bestens leben

Baunatal. Die junge Stadt im Süden Kassels hat sich längst zu einem gesunden und attraktiven Wirtschaftsstandort gemausert

Am Anfang war das VW-Werk … Ja, es gibt sie, die Grenze zwischen Kassel und dem Umland. Zu sehen ist sie nicht wirklich, aber zu spüren. Wer in Kassel lebt, der kauft auch da ein und wird höchst selten daran denken, in der angrenzenden Stadt im Süden shoppen zu gehen. Ausnahme vielleicht: das Ratio. Freizeit? Kann der Kasseler in Kassel ganz gut verbringen. Ausnahme vielleicht: der Aqua Park, zumal jetzt, nach seiner kompletten Neugestaltung. Beim Thema Arbeit ist das ein bisschen anders. Das Volkswagenwerk mit seinen mehr als 13.000 Mitarbeitern war es immer, dass nicht nur Kassels Kämmerer ein bisschen neidisch nach Baunatal auf Gewerbesteuern schielen ließ. Und der Kasseler an sich ließ in dieser Hinsicht Grenze einfach mal Grenze sein und nahm ordentliche Gehälter und gute Sozialleistungen des Wolfsburger Ablegers gern mit.

In der Knallhütte wird heute das regionale Hütt-Bier gebraut.Hier, an der alten Reichsstraße nach Frankfurt, gingen im 18. Jahrhundert die Fuhrleute ein und aus, wechselten ihre Pferde und erzählten sich Geschichten. Diese hörte die junge Dorothea Pierson, deren Vater das Gasthaus betrieb, welches damals noch „Zum Birkenbaum“ hieß. Diese Geschichten gab Dorothea, die später Viehmann hieß, ab 1813 an die Brüder Grimm weiter. Der Rest ist Geschichte. Foto: Stadtmarketing Baunatal

In der Knallhütte wird heute das regionale Hütt-Bier gebraut.Hier, an der alten Reichsstraße nach Frankfurt, gingen im 18. Jahrhundert die Fuhrleute ein und aus, wechselten ihre Pferde und erzählten sich Geschichten. Diese hörte die junge Dorothea Pierson, deren Vater das Gasthaus betrieb, welches damals noch „Zum Birkenbaum“ hieß. Diese Geschichten gab Dorothea, die später Viehmann hieß, ab 1813 an die Brüder Grimm weiter. Der Rest ist Geschichte. Foto: Stadtmarketing Baunatal

Als es den beiden KSVs der Region, dem aus Kassel und jenem aus Baunatal, sportlich noch wirklich besser ging als heute, da kam das hessische Nord-Süd-Gefälle schon in Nordhessen zum Tragen. Beide Mannschaften, die heute in der Regionalliga um Überleben und vielleicht bald um den Aufstieg kämpfen, trafen sich einst als Rivalen in der Zweiten Fußball-Bundesliga auf Augenhöhe. Besonders schade für Baunatal, dass dem nicht mehr so ist, denn in kaum einer anderen Kommune Nordhessens spielt der Sport eine solch zentrale Rolle wie in Baunatal mit seinen 27.000 Einwohnern. Allein der KSV Baunatal und die GSV Eintracht Baunatal haben zusammen mehr als 10.000 Mitglieder.

Historisches
Zwischen den Stadtteilen liegen teilweise erhebliche Entfernungen. Folgen der Eingemeindung und des Zusammenschlusses von sieben einst unabhängigen Gemeinden. 1964: Altenbauna, Altenritte und Kirchbauna schließen sich zur Gemeinde Baunatal zusammen. 1966: Die Stadt Baunatal entsteht durch den Zusammenschluss von Baunatal und Großenritte. 1971: Die Gemeinde Hertingshausen wird fünfter Stadtteil. 1972: Die Gemeinde Buchenhagen (Rengershausen und Guntershausen) wird im Rahmen der Gebietsreform eingegliedert. Die neue Stadt gab sich den Namen, der aufgrund der Topo- und Geografie der Region nahe lag: Baunatal, benannt nach der von Nordwesten nach Südosten fließenden Bauna. Erster Bürgermeister war Horst Werner, heute ist seit mittlerweile zehn Jahren Manfred Schaub im Amt.

Im Norden grenzt Baunatal an die Gemeinde Schauenburg und die Stadt Kassel an, im Osten heißt der Nachbar Fulda-brück, im Südosten Guxhagen. Im Süden liegt die Gemeinde Edermünde, im Westen Niedenstein.

Persönliches: Die Viehmännin
Aus Baunatal stammt Dorothea Viehmann, die Frau, die den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm jene Sagen und Geschichten erzählte, die sie in der Gaststube ihres Vaters gehört hatte und die die Brüder Grimm aufschrieben und zu ihrer heute weltberühmten Märchensammlung zusammenfassten. Mehr als 40 Märchen der Grimms gehen damit auf das Konto der Viehmännin, wie man sie damals nannte.

Eine Stadt bewirbt sich
Seit Juni 2012 ist Dirk Wuschko Geschäftsführer des neu installierten Stadtmarketings. Der Brandenburger bringt neben Erfahrung mit Kommunen viel Wissen aus dem Veranstaltungs- und Eventbereich mit. Derzeit arbeitet er mit seinen Mitarbeitern unter anderem am 50. Geburtstag, den die Stadt im kommenden Jahr feiern wird. Dafür sind unter anderem drei große Open-Air-Konzerte im Parkstadion in Planung.

Foto: nh

Foto: nh

Was Wuschko, der allwochenendlich zwischen seinem Dienstort und Berlin pendelt, an Baunatal fasziniert, bringt er schnell auf den Punkt:

Baugebiete: „Mit kostenfreien Kindergartenplätzen, Bildungsforum, modernisierter Stadtbibliothek und aktiver Seniorenarbeit steht die Familie im Zentrum der Stadtpolitik. Die Nachfrage ist deshalb hoch.“

Leerstände: „Wir haben drei Läden in der Innenstadt leer. Das wäre für andere Städte toll, aber wir wollen den Anfängen wehren und versuchen, da eine Lösung zu finden. Unser Ziel: Null Leerstände.“

Wirtschaft: „Wir haben in Baunatal eine wirklich starke Wirtschaftskraft, und wenn Kassel nicht unser unmittelbarer Nachbar wäre, dann wären wir trotz unserer 27.000 Einwohner ein echtes Zentrum.“

Servicegedanke: „Es gibt in der Stadt mehr als 1.000 Parkplätze, für die man nichts bezahlen muss. Das ist die Philosophie der Stadt. Man möchte es den Menschen so einfach wie möglich machen, zu uns zu kommen.“

Beliebtheit: „Baunatal hat pro Jahr fast 100.000 Übernachtungen. Bedenkt man, dass nur Betriebe Übernachtungen melden müssen, die mehr als zehn Betten haben, dann ist das eine tolle Zahl.“

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