Anleihe beim „Himmelsstürmer“

Sie wollen hoch hinaus, die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen. Und so haftete der Location, die sie zur Präsentation ihres Kaders zur Saison 2019/2020 gewählt hatten, durchaus etwas Symbolhaftes an. Die fand nämlich am historischen Lutherturm statt, dem mit 76 Metern höchsten Gebäude Kassels.

Die Vorfreude auf die neue Saison steigt nicht nur bei Tobias Reichmann, sondern auch bei den Fans. Foto: MT Melsungen

Die Vorfreude auf die neue Saison steigt nicht nur bei Tobias Reichmann, sondern auch bei den Fans. Foto: MT Melsungen

Die anspruchsvollen sportlichen Ambitionen des nordhessischen Aushängeschildes scheinen sich auch auf den Trikots der Spieler wiederzufinden. Da ist der „Man walking to the sky“, im Volksmund nur „Himmelsstürmer“ genannt, eingearbeitet. Die in 1992 vom US-amerikanischen Künstler Jonathan Borofsky zur Weltkunstausstellung documenta IX geschaffene Figur schreitet auf einem steil nach oben ragenden Rohr sicheren Schritten himmelwärts.

Vorfreude auf neue Saison geweckt
Wie weit nach oben es in der kommenden Saison für die MT Handballer geht, wird sich zeigen. Auf alle Fälle wurde bei den über 1.000 Gästen an diesem lauen Sommerabend schon kräftig die Vorfreude auf die neue Saison geweckt. Das Areal zu Füßen des Lutherturms, im Herzen von Kassel, strahlte gemütliche Biergartenatmosphäre aus. Fans und Sponsoren des Clubs hatten es sich unter den Schatten spendenden alten Bäumen gemütlich gemacht und wurden offiziell von MT-Vorstand Axel Geerken willkommen geheißen.

Neues Trikot herbeigezaubert
Um sich danach im wahrsten Sinne verzaubern zu lassen. Magier Carsten Risse verstand es meisterhaft, das Publikum, aus dem er spontan einige Gäste auf die Bühne holte und zu Assistenten machte, in seinen Bann zu ziehen. Am Ende seiner höchst amüsanten Show lüftete er sein Sakko, unter dem gerade noch ein grünes Shirt hervor gelugt hatte, und präsentierte wie blitzschnell von Geisterhand umgezogen das künftige Spielertrikot vom neuen MT-Ausstatter ERIMA. Der verdiente Applaus ging schnell in ein rhythmisches Klatschen über, als DJ Zoka mit einer Einlaufhymne die Mannschaft zu einer launigen Interviewrunde mit Moderator Bernd Kaiser nach oben holte.

Wieder zu den besten fünf gehören
Nachdem Trainer Heiko Grimm kurz die Saisonvorbereitung hat Revue passieren lassen, lüftete er auch gleich das Geheimnis um die sportliche Zielsetzung: „Wir wollen in dieser sehr starken und ausgeglichenen Liga wieder zu den besten fünf Teams gehören. Noch wichtiger als eine bestimmte Platzierung ist es uns aber, möglichst die magische Marke von 50 Punkten zu knacken.“ In der vergangenen Saison hatte es die MT als Tabellenfünfter übrigens auf 42 Zähler gebracht. Den Weg weiter nach oben, hat der Bundesligist also fest im Blick. Genauso, wie der Himmelsstürmer.

Vor dem „Tanz auf drei Hochzeiten“
Sie wird lang, sie wird anstrengend und sie wird ganz sicher ereignisreich. Die Rede ist von der Wettkampfsaison der MT Melsungen. Der nordhessische Handball-Bundesligist wird bis zum Juni nächsten Jahres voll gefordert und das in gleich drei Wettbewerben. Denn als Tabellenfünfter der vergangenen Saison hat das Team von Trainer Heiko Grimm wieder den Sprung auf die internationale Bühne geschafft. Zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte nach (2014/16 und 2016/17) haben sich die MT-Handballer für den Europapokal EHF Cup qualifiziert. Darüber hinaus hofft man, auch im nationalen Pokalwettbewerb möglichst weit zu kommen.

52 Saisonspiele
In Zahlen bedeutet das für die kommende Saison: 52 Spiele um Tore und Punkte. Vorausgesetzt, der „Tanz auf drei Hochzeiten“ wird jeweils bis zum letzte Schritt gemacht. Zu den 34 Spielen in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga können im DHB-Pokal noch einmal sechs und im Europapokal sogar zwölf Spiele hinzukommen. Dazu müsste in beiden Fällen das Finale erreicht werden. Im DHB-Pokal stand die MT bereits dreimal im Halbfinale (1996, 2013, 2014) und im EHF-Cup hat sie es bei beiden Teilnahmen bis ins Viertelfinale geschafft. Ganz unrealistisch ist es also nicht, auf insgesamt 52 Saisonspiele zu kommen.

Europameisterschaften und Olympische Spiele
Auf die Nationalspieler warten darüber hinaus weitere kräftezehrende Aufgaben. Neben diversen Testspielen stehen im Januar die Europameisterschaften an und im Sommer die Olympischen Spiele – sofern sich die DHB-Auswahl dafür qualifiziert. Bei der MT können davon mit Finn Lemke, Julius Kühn, Tobias Reichmann, Kai Häfner und Yves Kunkel zum Stand Juli 2019 bis zu fünf deutsche und mit Roman Sidoriwicz, Nebojsa Simic, Domagoj Pavlovic, und Marino Maric vier ausländische Nationalspieler betroffen sein. Das wäre also rund die Hälfte des 20-köpfigen Kaders. Ein Nationalspieler kommt nicht selten auf mehr als 80 Pflichteinsätze im Jahr.

Hohes Level und Erholungsphasen
Angesichts solcher Belastungen ist eine ausgeklügelte Trainingssteuerung notwendig. Es gilt zum einen, die Profis auf ein möglichst hohes physisches und mentales Level zu bringen, zum anderen, notwendige Regenerations- und Erholungsphasen einzubauen. Dazu arbeiten Chefcoach Heiko Grimm, Assistent Arjan Haenen und Athletiktrainer Dr. Florian Sölter im engen Verbund mit den Physiotherapeuten Jennifer Perlwitz und René Kagel und den Ärzten Bernd Sostmann (Allgemeinmedizin), Dr. Gerd Rauch (Orthopäde) und Dr. Karl-Friedrich Appel (Kardiologe). Die physiologischen Werte jedes einzelnen Spielers werden systematisch erfasst und analysiert und in der Trainingssteuerung berücksichtigt.

Auch mal Champions-League
Die Belastung ist bisweilen schon sehr hoch, aber die Profisportler sind bereit, diese für den sportlichen Erfolg bis zu einem gewissen Level auch in Kauf zu nehmen: „Ich will mit der MT nicht immer nur zu den fünf besten deutschen Teams gehören, sondern in nicht allzu ferner Zukunft auch mal in der Champions League spielen“, sagt Julius Kühn. Derlei sportliche Ambitionen verwundern bei einem wie ihm nicht, der 2016 mit der Nationalmannschaft Europameister wurde und im gleichen Jahr Olympia-Bronze holte.

Mit Kai Häfner hochwertig verstärkt
Der Weg zu nationalen oder gar internationalen Meriten ist weit. Das weiß man auch bei der MT Melsungen. Und dass man viel dafür tun muss um weiter nach oben zu kommen, ebenso. Deshalb hat sich der Bundesligist zur kommenden Saison mit Kai Häfner erneut hochwertig verstärkt. Der 30-jährige Nationalmannschaftskamerad von Julius Kühn wechselte vom Ligarivalen TSV Hannover-Burgdorf zu den Nordhessen und wird als Linkshänder Kühns Pendant im rechten Rückraum bilden. Darüber hinaus wurde mit Stefan Salger von den Eulen Ludwigshafen ein 22-jähriges Talent verpflichtet, der Häfner im Angriff entlasten und mit seinen 207 Zentimetern Körperlänge das Abwehrbollwerk stärken soll.

Auch Nachwuchs im Kader
Den Kader komplettieren drei 19-Jährige, die aus der in den letzten Jahren beeindruckend erfolgreichen Nachwuchsarbeit der MT hervorgegangen sind: Jona Gruber (Rückraum links), Glenn-Louis Eggert (Tor) und Tomáš Piroch (Rückraum rechts). Letztgenannter steht sogar im Kader der tschechischen A-Nationalmannschaft.

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.