Auf dem Weg zurück

Julius Kühn über seinen geplatzten WM-Traum und seine Genesung

Als besten Torschützen und Dreh- und Angelpunkt im Mannschaftsgefüge beschrieb MT-Vorstand Axel Geerken den Ende Oktober beim Spiel im Kosovo verunfallten Julius Kühn. Diagnose: Kreuzbandriss. Sein Ausfall sei eine furchtbare und schlimme Nachricht für ihn persönlich, für die MT Melsungen und die Nationalmannschaft, attestierte Bundestrainer Christian Prokop. Doch wie ging Julius Kühn damit um und wie geht es jetzt für ihn weiter? Jérôme sprach mit dem MT-Spieler.

MT-Bundesligahandballer Julius Kühn verletzte sich im Oktober und konnte deshalb nicht an der Heim-WM teilnehmen. Foto: Alibek Käsler

MT-Bundesligahandballer Julius Kühn verletzte sich im Oktober und konnte deshalb nicht an der Heim-WM teilnehmen. Foto: Alibek Käsler

Jérôme: Ende Oktober, Kreuzbandriss. Was ging da in Ihnen vor?

Julius Kühn: Auf gut Deutsch war das ein Schlag in die Fresse. So große Ziele für die Saison und die Heim-WM vor Augen. Für mich ist mit der Diagnose wirklich eine Welt zusammengebrochen. Und vom Körpergefühl her hatte ich damit überhaupt nicht gerechnet.

Jérôme: Wie geht man als Profisportler mit sowas um?

Kühn: Eine längere Verletzung war absolutes Neuland für mich. Ich habe viel mit der Familie darüber gesprochen, weil die auch alle Handballer sind. Das hat mich mental wieder etwas aufgebaut, aber das war einfach keine schöne Zeit. Ich kann mich an Tage erinnern, an denen ich keine Lust auf Handball hatte oder auf mein Studium. Was ich da gerade bei der Weltmeisterschaft verpasse, hat schon sehr an mir genagt. Ich wollte aber den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern alles darauf geben, wieder zurückzukommen und sowas nie wieder passieren zu lassen.

Jérôme: Was ist im Anschluss geschehen?

Kühn: Ich bin zunächst bei Klaus Eder im bayerischen Donaustauf zur Reha gewesen. Als langjähriger Physiotherapeut der Fußball-Nationalmannschaft verfügt er über einen riesigen Erfahrungsschatz mit Spitzensportlern. Und mir hat es absolut geholfen, dort gemeinsam mit anderen Profis zu trainieren und zu wissen, dass die alle das gleiche Leid erfahren haben und das nachempfinden können.

Jérôme: Im Januar ging es dann in die USA?

Kühn: Ich hatte Ende letzten Jahres mit Axel Geerken zusammengesessen und ihm gesagt, dass gerade der Januar für mich eine sehr schwere Zeit werden wird, wenn dann die WM läuft. Flieg woanders hin, hat er gesagt.

Jérôme: Hat das geholfen?

Kühn: Ja, von dem ganzen Hype habe ich dadurch nicht so viel mitbekommen. Ich habe in Miami an der Universität mit einem Baseballtrainer zusammengearbeitet und das war gut für mich. Ich habe das Ganze erst ab dem Halbfinale im Fernsehen verfolgt.

Jérôme: Wie geht es jetzt weiter?

Kühn: Ich bin jetzt noch mal eine Zeit in der Eder-Reha und wenn ich von dort zurückkomme, kann ich wieder die ersten Würfe machen. Das ist das, was ich am meisten vermisse. Ab Ende April kann ich wieder mit der Mannschaft trainieren. Spielen ist in dieser Saison aber nicht mehr drin. Das Risiko wäre zu hoch.

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.