Der einen Pech, der anderen Glück

Mit diesem Sieger hatte beim EAM Kassel Marathon keiner gerechnet. Maciek Miereczko (VFB Erftstadt) lief nach 2:27:39 jubelnd ins Kasseler Auestadion und nahm sich dabei noch Zeit für ein paar kleine Schlenker vor der Ziellinie. Die Fans auf den Tribünen feierten den 38-jährigen Lauf-Routinier aus Polen, der seit Jahresbeginn die deutsche Staatsbürgeschaft besitzt, dabei wie immer lautstark.

Pfeilschnelles Siegertrio im Halbmarathon (v.l.): Zweiter und Marathon-Coverboy Jens Nerkamp, Sieger Chalachew Tiruneh, Dritter Ylias Iman.

Pfeilschnelles Siegertrio im Halbmarathon (v.l.): Zweiter und Marathon-Coverboy Jens Nerkamp, Sieger Chalachew Tiruneh, Dritter Ylias Iman.

Verkettung unglücklicher Umstände
Ein paar Schlenker zuviel dagegen hatte die Spitzengruppe bei Kilometer 19 gemacht. Sie wurde falsch geleitet. Der Hergang wurde in den Tagen nach dem Marathon intensiv analysiert und war wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Organisationsleiter Winfried Aufenanger reagierte sofort, als er vom Missgeschick erfuhr. Er nahm die führende Fünfer-Gruppe aus dem Rennen, da sie anschließend keinen regulären Marathon mehr hätten laufen können. In der Gruppe war neben den Siegern der letzten beiden Jahre, Edwin Kosgei und Hosea Tuei aus Kenia, auch Lokalmatador Ybekal Daniel Berye (PSV Grün-Weiß Kassel).

Gute Regelung gefunden
„Wir entschuldigen uns bei allen Läufern, die durch diese Sache nicht zu Ende laufen konnten“, sagte Winfried Aufenanger noch im Stadion auf der hr1-Bühne, „die beteiligten Läufer bekommen trotzdem Prämien, die der ihrer zum Zeitpunkt des Ausstiegs hochgerechneten Endzeit entsprechen.“ Eine Regelung, die beim Publikum auf viel Applaus stieß.

Das Pech der Fünfer-Gruppe war das Glück der anderen. Hinter Sieger „Macke“ Miereczko kam Frederik Unewisse (LG Region Karlsruhe) in 2:31:02 auf Platz zwei, Dritter wurde Oliver Hoffmann (TSV Kirchhain) in 2:33:37.

Sie durfte sich über Platz drei bei den Frauen freuen: Silke Altmann.

Sie durfte sich über Platz drei bei den Frauen freuen: Silke Altmann.

Bei den Frauen blieb Siegerin Daisy Langat (Kenia) in 2:39:30 bei ihrem Marathon-Debüt noch unter der 2:40-Marke, Landsfrau Prisca Kiprono (2:47:28) wurde einmal mehr Zweite. Silke Altmann, die unermüdliche und engagierte Leiterin des Vorbereitungsstützpunktes Rotenburg, durfte sich über Platz drei freuen (3:23:06).

Halbmarathon sprengte Rekorde
War das ein Wahnsinns-Halbmarathon beim EAM Kassel Marathon! Die Sieger Chalachew Tiruneh (Äthiopien) und Melat Yisak Kejeta (PSV Grün-Weiß Kassel) pulverisierten geradezu die bisherigen Streckenrekorde von Markus Jahn (1:12:53) und Silke Optekamp (1:17:59). Tiruneh, der eine Woche zuvor noch in Berlin den Marathon in 2:15 finishte, lief in 1:06:42 gleich sechs Minuten schneller als Jahn und war auch auf der Zielgeraden kaum zu bremsen.

Nerkamp wurde Zweiter
EAM Kassel Marathon-Coverboy Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel) lief sich die Seele aus dem Leib und kam in ganz starken 1:07:49 als Zweiter ins Ziel. „Ich habe wirklich alles versucht, Chalachew zu folgen“, sagte er später, „aber er war einfach zu schnell.“ Erst seit fünf Wochen ist Jens Nerkamp nach einer langen Verletzungspause wieder im Traininig und war selbst erstaunt, wie schnell er war. „Ihr seid einfach phänomenal, diese Stimmung ist unglaublich“, lobte er das Publikum im Auestadion. Mit dem Dritten Ilyas Iman (LG Fulda, 1:09:23) und dem Vierten Tom Ring (PSV Grün-Weiß Kassel, 1:10:05), der neue persönliche Bestzeit lief, blieben zwei weitere Läufer unter der alten Bestmarke.

Kejeta siegte bei den Frauen
Auch Marathon-Cover-Girl Melat Yiksak Kejeta blieb als Siegerin der Frauen und Fünfte im Gesamteinlauf noch unter Jahns Rekord. Die 24-Jährige lief in 1:11:37 bereits zum vierten Mal in diesem Jahr eine 1:11er-Zeit und ist damit mit Abstand die konstanteste Halbmarathon-Läuferin in Deutschland. Dass sie mit ihrer Siegerzeit mehr als deutlich unter der alten Bestmarke von Silke Optekamp (1:17:59) blieb, ist klar. „Ja, das Rennen war gut“, freute sie sich über ihren neuerlichen Coup – Understatement at it‘s best.

Richtig ausgelassen feierte Anna Starostzik als Zweite ihre neue Bestzeit von 1:18:47. Die Deutsche Halbmarathon-Meisterin W45 Sandra Morchner komplettierte in 1:19:45 (ebenfalls neue Bestzeit) den totalen Triumph der PSV-Frauen auf dem Podium, den die ehemalige Rekordhalterin Silke Optekamp (1:26:18) als Vierte noch ergänzte. Ein großartiges Mannschaftsergebnis der PSV-Ladies!

500 kleine Läuferinnen und Läufer hatten beim Bambini Lauf, präsentiert von der Raiffeisen Waren GmbH, einen Riesenspaß.

500 kleine Läuferinnen und Läufer hatten beim Bambini Lauf, präsentiert von der Raiffeisen Waren GmbH, einen Riesenspaß.

Sehr positives Fazit
Die Panne mit der Spitzengruppe brachte den EAM Kassel Marathon zwischenzeitlich bundesweit in die Schlagzeilen. Inzwischen können alle darüber lächeln, sind sich der Verantwortung aber natürlich bewusst. „Klar nehmen wir das auf unsere Kappe“, sagt Winfried Aufenanger, „aber es ändert nichts am sehr positiven Gesamteindruck der Veranstaltung.“ Für den rührigen Organisationschef war es im Rückblick „sogar der bisher beste und emotionalste Marathon in Kassel“, wie er in den Tagen danach analysiert. „Ein toller Bambini-Lauf mit dem gelungenen Aktions-Bereich, ein wieder sehr schöner Mini-Marathon, die große Beteiligung der Walker und eine im Nachklang äußerst positive Resonanz bei Läufern und Zuschauern machen uns weiter Mut für die nächsten Jahre“, so Aufenanger.

Auch René Schneider, Leiter Marketing bei Titelsponsor EAM, fasste das dreitägige größte nordhessische Sportevent sehr zustimmend zusammen. „Ich hatte die ganz Zeit ein richtiges Gänsehaut-Gefühl und habe nur glückliche Gesichter gesehen. Der EAM Kassel Marathon hat sich vor allem als große Breitensportveranstaltung präsentiert.“

Heiko Weber war 100.000 Teilnehmer in der Kasseler Marathon-Geschichte.

Heiko Weber war 100.000 Teilnehmer in der Kasseler Marathon-Geschichte.

10.000-Marke knapp verfehlt
Insgesamt gab es für den EAM Kassel Marathon 9132 Meldungen. Auch wenn die 10.000er-Marke diesmal nicht geknackt wurde, waren die Organisatoren damit zufrieden. Wieviel Eindruck er hinterlassen hatte, zeigte sich unmittelbar danach: Für den nächsten EAM Kassel Marathon vom 14. bis 16. September 2018 meldeten sich direkt schon fast 100 Teilnehmer an. So schnell war man noch nie in Kassel.

Maskottchen Winnie, Emma (links) und Sophie fanden den Mini-Marathon klasse.

Maskottchen Winnie, Emma (links) und Sophie fanden den Mini-Marathon klasse.

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