Sellin-Gala beim 37:25-Sieg gegen Stuttgart

War das der Befreiungsschlag? Die MT Melsungen feierte  beim 37:25 (18:12) gegen den TVB 1898 Stuttgart nicht nur einen klaren Sieg, sondern eine  in jeder Hinsicht überzeugende Vorstellung vor 4.018  begeisterten Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle. Getragen vom gut aufgelegten Johan Sjöstrand im Tor und einem 16-mal erfolgreichen Johannes Sellin  ließen die Nordhessen nach  kurzer Findungsphase zu Beginn den Gästen keine Chance. Erfolgreichster Schütze beim TVB war Bobby Schagen mit neun  Toren, davon fünf Siebenmeter.

Machte ein überragendes Spiel: Johannes Sellin. Foto: Käsler

Machte ein überragendes Spiel: Johannes Sellin. Foto: Käsler

Das Lazarett der MT hatte sich in den letzten Wochen zunächst Spieler um Spieler gelichtet, um am vergangenen Wochenende mit René Villadsen und Jeffrey Boomhouwer wieder um zwei anzuwachsen, die dem weiterhin fehlenden Gabor Langhans Gesellschaft auf der Verletztenliste leisteten. Für Langhans und Villadsen standen mit Svetislav Verkic und Dener Jaanimaa jeweils Alternativen bereit, wohingegen Michael Allendorf auf Linksaußen allein blieb.

Dass die angesichts des Fehlstarts mit 4:10 Punkten angespannte Stimmungslage während der vergangenen Woche bei der MT Spuren hinterlassen würde, war klar. Nur die Frage nach der Richtung schien offen. Und tatsächlich wirkte die Melsunger Mannschaft zunächst gehemmt im Spiel nach vorn, während zumindest die Abwehr mit einem von Beginn an hellwachen Johan Sjöstrand im Tor stark begann. Die Folge: nach der Führung durch Momir Rnic lief erst einmal wenig zusammen bei den Gastgebern, während die Stuttgarter durch Dominik Weiß und Tobias Schimmelbauer in Vorlage gingen (1:2, 6.).

Den Weckruf für Rot-Weiß übernahm Johannes Sellin mit einem hart und trocken verwandelten Siebenmeter gegen Johannes Bitter, gefolgt von einem feinen Gegenstoß-Treffer, um den Vorteil zurückzuholen. Der Auftakt zu regelrechten Sellin-Festspielen in den folgenden Minuten, in denen der Rechtsaußen aus fast allen Positionen traf, inklusive eines Treffers ins von Bitter zu Gunsten eines zusätzlichen Feldspielers verlassene TVB-Tor fast von der eigenen Eckposition aus (9:4, 14.).

Erst danach berappelten sich die Stuttgarter wieder etwas und hielten den Abstand bei drei bis vier Toren. Viel Glück hatten sie aber, dass ein böses Foul von Teo Coric gegen Michael Allendorf lediglich mit einer Bankstrafe geahndet wurde statt mit dem roten Karton (22.). Allendorf revanchierte sich prompt mit einem Doppelschlag zum 13:8 (24.), was den alten Abstand wieder herstellte. Der bis zur Pause noch einmal anwuchs, weil Sellin weiter Torhunger an den Tag legte und mit seinem zweiten Wurf ins leere Tor zum Pausenstand sein persönliches Konto auf zehn Treffer bei insgesamt nur elf Versuchen erhöhte.

Direkt nach dem Seitenwechsel folgte zuerst Sellins zweiter Fehlversuch, dann sein elfter Erfolg. Und doch stockte das Melsunger Spiel leicht, weil Johannes Bitter zweimal glänzend parieren konnte und seine Vorderleute trafen. Der Auftakt gehörte also wieder den Gästen, die daraus wie schon in der ersten Hälfte kein Kapital schlagen konnten. Einmal mehr kam der MT-Express zwar mit Verspätung, dafür umso unwiderstehlicher ins Rollen. Diesmal beteiligte sich sogar Johan Sjöstrand als Torschütze (21:15, 35.).

Im Vorgefühl des immer wahrscheinlicher werdenden sicheren Sieges gelangen nun auch einige Kabinettstücke und sehenswerte Einzelleistungen. Als da waren die Koproduktion der Müller-Zwillinge, bei der Michael das Kempa-Zuspiel seines Bruders zum 23:16 verwertete (38.) oder drei blitzsaubere Treffer vom Kreis durch den ins Spiel gekommenen Johannes Golla bis zum 28:19 (44.). Auch Sellin schraubte fleißig weiter an seiner Erfolgsbilanz und machte mit dem 30:20, der ersten zweistelligen Führung, seinen 13. Torerfolg perfekt (46.).

Es war längst eine einseitige Partie, in der die schwäbischen Gäste kaum zum Verschnaufen kamen. Ohne dabei jedoch aufzustecken. Nur war das Durchkommen gegen die starke MT-Deckung, bei der Youngster Golla auch in der Defensive mit schönen Blocks glänzte, ein hartes Stück Arbeit. Längst hatte Trainer Michael Roth durchgewechselt, so dass auch Dener Jaanimaa sich noch in die Torschützenliste eintragen konnte. Der Abschluss gehörte aber dem Mann, der am Ende auf satte 16 Treffer kam: Johannes Sellin veredelte noch Kempa-Anspiele von Michael Allendorf und Nenad Vuckovic, wobei ihm letzteres Tor wegen Betreten des Torraumes nicht gegeben wurde. Um sich anschließend zurecht von Fans wie Mitspielern für eine formidable Leistung feiern zu lassen, wie man sie nur selten in der Rothenbach-Halle gesehen hat.

O-Töne zum Spiel
Michael Roth: Ich bin zufrieden mit dem Sieg. Wir haben abgerufen, was wir können. Durch unsere gute Abwehr sind wir ins Spiel gekommen. Insgesamt haben wir uns nur fünf technische Fehler geleistet. Vorn haben wir von den Halbpositionen viel Druck entwickelt, und dann kann man so ein Spiel auch mal hoch gewinnen. Mich hat gefreut, dass wir auch in der zweiten Halbzeit nicht nachgelassen haben, auch als neue Spieler rein kamen. Dener Jaanimaa hat seine Sache gut gemacht und vor allem unser Youngster Johannes Golla auch. Der hat sich seinen Einsatz über seine Trainingsleistungen verdient und ein tolles Spiel gemacht.

Markus Baur: Glückwunsch an Michael und die MT zum mehr als verdienten Sieg. Wir hatten uns vor dem Spiel viel vorgenommen und gedacht, dass die MT vielleicht auch gegen uns ihr Leistungsvermögen nicht abrufen kann. Das war dann nicht so. Sie hatten die nötige Präsenz im Angriff und Kraft in der Deckung, um uns überlegen zu sein. Dazu haben wir 21 Tore von den Außen bekommen. Sicher waren da auch viele Tempogegenstöße dabei, aber die bekommen sie auch nur, weil wir es ihnen vorn ermöglichen. Mein Team hat heute vieles nicht abgerufen. Klar tut so eine Niederlage jetzt auch weh. Allerdings nicht so sehr wie die letzte Woche gegen Magdeburg.

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