Arnold-Bode-Preis für d13-Künstler Thomas Bayrle

Foto: Mario Zgoll

Foto: Mario Zgoll

Rund 350 Gäste lauschten den Rednern bei der Verleihung des Arnold-Bode-Preises 2012. Und alle Redner waren sich einig, dass es keinen besseren Ort gegeben hätte, um den dreimaligen documenta-Teilnehmer Thomas Bayrle mit dem Arnold-Bode-Preis auszuzeichnen. Bayrle sei es mit kraftvoll-ästhetischem Akzent geglückt, den Raum auszufüllen, die Besucher zu entschleunigen und zum meditativen Verweilen einzuladen, lobte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Er freute sich über die euphorische Resonanz der Medien und über die einstimmige Entscheidung von Kuratorium der Arnold-Bode-Stiftung und Magistrat der Stadt Kassel.

Heiner Georgsdorf, Vorsitzender des Kuratoriums der Bode-Stiftung und langjähriger Wegbegleiter von Arnold Bode, erzählte im vergnüglichen Ton, dass documenta-Gründer Bode ein Faible für große Maßstäbe und einen Hang zum Monumentalen gehabt habe. Über Bayrles Raum und die Preisvergabe wäre Bode erfreut gewesen. Er bedankte sich bei Carolyn Christov-Bakargiev für die optimale Belegung der Halle und bei dem Künstler selbst – schließlich sei die Annahme des Preises auch eine Ehrung an die, die ihn verleihen.

Ihre humorige Einleitung machte Carolyn Christov-Bakargiev, Leiterin der dOCUMENTA 13, wahr: „Eine Laudatio muss so lang sein, dass man ihr Ende herbeisehnt.“ Nach einer Lobeshymne an alle Menschen, die die dOCUMENTA 13 ermöglicht haben, schwärmte sie von Bayrles Vorliebe für sich wiederholende Muster und Rhythmen. CCB spannte den Bogen von Ortega y Gasset „Der Aufstand der Massen“ und Chaplins „Moderne Zeiten“ über Musiker wie Nono und Denker wie Adorno bis zur Rasterfahndung der 70er-Jahre, Designtheorien und Social Media heute – und das in englisch ohne Übersetzung.

Der Preisträger selbst fasste sich kurz: „Das ist schon ein Monument“, sagte er im Blick auf sein Kunstwerk und schloss mit den Worten: „Herzlichen Dank an die Stadt Kassel, du bist eine glückliche Stadt.“

Hintergrund zum Arnold-Bode-Preis
Zum 75. Geburtstag bekam der „Vater der documenta“ von documenta-Künstlern eine Sammlung von Kunstwerken geschenkt – die Kunstwerke bilden das Grundkapital der Arnold-Bode-Stiftung. Sie wurde 1978 von der Stadt Kassel ins Leben gerufen. Die Stiftung fördert Kunst und Kultur und vergibt den Arnold-Bode-Preis. Der mit 10.000 Euro dotierte Arnold-Bode-Preis wird seit 1980 alle zwei Jahre sowie in documenta-Jahren an Künstlerinnen und Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen.

Das Kuratorium der Arnold-Bode-Stiftung, die dem Magistrat der Stadt Kassel den jeweiligen Preisträger vorschlägt, besteht bis zum Jahr 2014 aus folgenden Persönlichkeiten: E.R. Nele (Tochter von Arnold Bode), Carolyn Christov-Bakargiev (Leiterin der documenta 13), Prof. Karl Oskar Blase (Ehrenvorsitzender), Prof. Heiner Georgsdorf (Vertreter der Kunsthochschule Kassel), Dr. Klaus Lukas (Finanzsachverständiger) und Alfred Nemeczek (ehem. stellvertretender Chefredakteur des Kunstmagazins art).

Zu den nun 24 Preisträgern zählen Gerhard Richter, Thomas Schütte, Richard Hamilton, Penny Yassour und zuletzt Urs Lüthi und Goshka Macuga. Die Teilnahme des Preisträgers an einer documenta ist nicht Voraussetzung der Verleihung – das documenta-Niveau aber Maßstab der Entscheidung.

Hintergrund zum Preisträger
Thomas Bayrle wurde 1937 in Berlin geboren. Nach der Ausbildung zum Weber studierte Bayrle an der Werkkunstschule Offenbach. Zunächst war sein Studienziel Gebrauchsgrafik, dann konzentrierte er sich auf die Druckgrafik und erlernte die Technik der Lithografie und der Radierung. Zusammen mit Bernhard Jäger gründete er im Jahr 1961 die Gulliver-Presse und war auch als Verleger von Künstlerbüchern erfolgreich.

In den letzten Jahren fanden Einzelausstellungen und Beteiligungen in Galerien und Museen in Düsseldorf, Montréal, Köln, Graz, Frankfurt am Main, Wien, Venedig, Auckland, Berlin, Duisburg, Genf, Karlsruhe, New York, Zürich und Austin/Texas statt. 2009 fand eine große retrospektive Ausstellung im Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) in Barcelona statt. 2012 ist er Teilnehmer an der dOCUMENTA (13) in Kassel und das bereits zum dritten Mal.

Von 1972 bis 2002 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main und arbeitete 1995 als Gastprofessor in Japan an der Tohoku University. Thomas Bayrle lebt und arbeitet als Maler, Grafiker, Weber und Videokünstler in Frankfurt am Main.

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