Making-of Flic Flac

Ein Blick hinter die Kulissen des spektakulären Festivals der Artisten
Wenn Menschen in die Welt von Flic Flac in Kassel eintauchen, vergessen sie meist, dass sie sich in einem Zelt befinden. Wo noch gut zwei Wochen zuvor die Wiese des Friedrichsplatzes war, ist dann die Manege bereitet für das international renommierte Festival der Artisten. Die besten der Welt geben sich hier ein Stelldichein und lassen es unter der Flic Flac-Kuppel so richtig krachen. Damit das funktioniert, ist eine logistische Meisterleistung nötig.

Foto: Flic Flac

Foto: Flic Flac

Flic Flac in Kassel ist mehr als Zirkus und es ist mehr als Zelt aufbauen, Artisten rein und los geht’s. Flic Flac ist eine Show der Superlative und es bedarf umfangreicher Vorbereitung, damit sie sich alljährlich auf dem Kasseler Friedrichsplatz abspielen kann. Planung ist alles und die kann nicht frühzeitig genug beginnen. Schon jetzt, vor dem 11. Festival der Artisten in 2019, bereitet Flic Flac Manager Martin Krockauer mit seinem Team die Folgeveranstaltung vor. „Wir haben die Verträge für 2020 bereits in trockenen Tüchern“, sagt er. In der Regel würden die Acts bereits zwei Jahre vorher gebucht und stehen dann fest. „Außer wir sehen irgendwo noch was Tolles und sagen, das passt bei uns rein, dann kann es schon mal sein, dass wir noch etwas dazunehmen.“

Internationale Beachtung
Doch wie kommt Flic Flac überhaupt an die Künstler aus aller Herren Länder? „Inzwischen haben wir einen gewissen Ruf in der Welt, sodass sich die Agenturen und Artisten bei uns bewerben“, sagt Krockauer. Besonders das Festival in Kassel erfährt internationale Beachtung in der Zirkusbranche. Wer hier als Act teilgenommen habe, finde Anerkennung.

Mitten in der Stadt
Aber nicht nur die Beachtung, die Flic Flac in Kassel erfährt ist besonders, auch die Lage. „In Kassel sind wir mitten in der Stadt und müssen uns da ein bisschen anpassen“, erklärt Martin Krockauer. Weil sich unter dem Friedrichsplatz eine Tiefgarage befinde, müsse man mit der Statik aufpassen und die Verankerungen anders setzen, um die Kräfte besser zu verteilen. Das sei aber inzwischen Routine: „Wir haben alle statischen Angaben und unsere Zelte sind Tüv-geprüft bis Oberkante“, sagt Martin Krockauer. Jedes Jahr gebe es eine Bauabnahme, immer Hand in Hand mit dem Bauamt.

Material auf 35 Tiefladern
Doch bevor die erfolgen kann, muss das Zelt erst mal geliefert und aufgebaut werden. Und mit dem Zelt noch vieles mehr. „Um die 35 Tieflader liefern uns alles, was wir für den Aufbau benötigen“, sagt Martin Krockauer. Und das in der Reihenfolge, wie es vor Ort gebraucht werde. Jeder dieser Transporte werde mit dem Ordnungsamt abgestimmt, um die Straße freigeben zu lassen, wie Krockauer erklärt.

Zelt und Container
35 Menschen sind mit dem Aufbau beschäftigt, der in diesem Jahr am 2. Dezember beginnt. Bevor es losgeht, legen sie auf dem Friedrichsplatz ein Flies aus und eine Plane, um die Wiese zu schützen, denn Flic Flac ist auch für die Rekultivierung der Fläche nach der Veranstaltung verantwortlich. Auf die Plane folgt der Boden für das Zelt. Gleich zu Beginn werden Container für Kasse, Büro und Küche geliefert. Aus letzterer werden die 18 Mitarbeiter versorgt, die während des Betriebs im Einsatz sein werden: Requisiteure, Elektriker, Techniker und so weiter und natürlich Leute, die sich um die 46 Artisten kümmern.

Viel zu organisieren
Als erstes werden Telefon und Internet in den Bürocontainer gelegt, denn das braucht man jetzt rund um die Uhr. „Es ist durchgehend zu tun“, sagt Martin Krockauer. Heizöl bestellen für die acht Heizungen, die Vorzelt, Hauptzelt und Backstagebereich warm halten zum Beispiel. Und natürlich der Kontakt zu den Artisten. „Wir buchen deren Flüge von hier aus und organisieren auch die Wege vom Flughafen zum Hotel“, erklärt Krockauer. Die Hotels habe man ebenfalls für die Künstler gebucht, aber schon ein halbes Jahr im Voraus. „Wir haben inzwischen feste Partner in Kassel, die uns Kontingente freihalten“, sagt Martin Krockauer. Damit die Künstler überhaupt nach Deutschland einreisen dürfen, sei häufig jede Menge Papierkram zu erledigen. „Die Artisten müssen die Dokumente für ihr Visum zusammenstellen und dafür häufig in die Botschaft, wir kümmern uns um die Abstimmung mit der Ausländerbehörde, um die Arbeitserlaubnis und um die Krankenversicherung“, sagt Krockauer. Aber das sei eine andere Geschichte.

Proben ist Pflicht
Zurück zum Zelt. Bevor die Kuppel hochgezogen wird, wird sie am Boden so weit wie möglich bestückt: Elektromotoren, Lichtanlage und so weiter. Nach gut einer Woche Arbeit steht alles und die Künstler treffen ein, um für die große Show zu proben. „Wir fangen in diesem Jahr am 12. Dezember mit den Proben an und das ist für alle Artisten Pflicht“, sagt Martin Krockauer. Zum einen müssten sich die Artisten auf die Gegebenheiten einstellen, denn das Flic Flac-Zelt sei oft viel größer als die Zelte, in denen sie sonst arbeiten, zum anderen probe man die gesamte Show mit Übergängen und Backstage-Wechslen, damit keine Langeweile aufkommt.

Es geht um den Gesamteindruck
Auch die Technik erhält jetzt ihren Feinschliff. „In jedem Jahr sind andere Dinge zu beachten“, sagt Martin Krockauer. Das Licht zum Beispiel müsse auf jede Nummer abgestimmt werden, damit die Atmosphäre stimme, aber auch kein Künstler geblendet werde. „Programmierer und Lichttechniker arbeiten dann unter Hochdruck“, so Krockauer. „Und wenn sie acht Nummern richtig ausgeleuchtet haben und die neunte sagt es blendet, dann müssen sie im Zweifel noch mal hoch unter die Kuppel und die Installation ändern.“ Alles wird minutiös geplant, geprobt und vorbereitet, damit zum Premierenabend am 18. Dezember alles passt. „Es geht schließlich um den Gesamteindruck, den wir dem Publikum hinterlassen“, sagt der Flic Flac-Manager.

Ehrliche Eindrücke sammeln
Kein Wunder, dass der Premierenabend für ihn der schönste Moment ist. Wenn alle eingetroffen sind, Artisten und Gäste, alles geprobt ist und die Show beginnt, verfolgt Martin Krockauer das Geschehen aufmerksam. „Ich beobachte die Leute, mische mich unter sie und versuche zu hören, was sie sagen. So kriege ich ehrliche Eindrücke“, sagt er. Und natürlich achte er auch darauf, wo man noch nachregulieren könne, was nach der Premiere immer wichtig sei. Wenn alles gut gelaufen ist und die Leute das Zelt begeistert verlassen, sind der Flic Flac-Manager und sein Team glücklich.

Betrieb sicherstellen
Während der weiteren Festival-Zeit, in diesem Winter geht sie bis zum 12. Januar, kommt eine gewisse Ruhe in die Abläufe. Langweilig wird es dabei aber noch lange nicht. „Jetzt ist einiges zu tun, um den laufenden Betrieb sicherzustellen“, beschreibt Martin Krockauer: Material und Ersatzteile für die Acts der Künstler müssen vorgehalten und vorausschauend organisiert werden, die Artisten betreut und auch die Presse versorgt. Immer wieder ist er als Ansprech- und Interviewpartner gefragt.

Sauber hinterlassen
Und dann will auch schon wieder der Abbau vorbereitet und die Abreise der Artisten geplant werden. Noch in der Nacht der letzten Show am 12. Januar beginnt die Flic Flac-Crew mit den Arbeiten und auch die Artisten packen ihre Requisiten ein, weil viele von ihnen am 13. Januar schon abreisen. „Das ist in der Regel eine lange Nacht“, sagt Martin Krockauer. Wenn der Abbau am 17. Januar abgeschlossen sei, gehe er wahrscheinlich wieder mit einer Abfalltüte über den Platz, um zu gucken, dass auch wirklich alles sauber sei. Und das war es dann, bis zum nächsten Jahr!
Flic Flac in Kassel verzaubert jährlich mehr als 50.000 Besucher. Damit das geht, sind umfangreiche Vorbereitungen zu treffen.

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