Stars und Genies gastieren im Kasseler Kulturzelt

Sophie Hunger. Foto: Augustin Rebetez

Sophie Hunger. Foto: Augustin Rebetez

Rock, Jazz, Pop, Weltmusik, Soul, Funk, Blues, neue Talente, und davon natürlich nur das Beste.“ So heißt es auf der Facebook-Seite des Kulturzelts Kassel. Bescheidenheit wäre wirklich fehl am Platz angesichts des Spitzenniveaus, das man dort Sommer für Sommer präsentiert. Die Kulturzeltmacher Angelika Umbach und Lutz Engelhardt haben Gespür für Qualität – und für innovative Künstler wie die Jazzsängerin Youn Sun Nah. Am 17. Juli tritt die hochdekorierte Koreanerin mit dem schwedischen Gitarrenmeister Ulf Wakenius im Kulturzelt auf.

Enter Sandman
Youn Sun Nah, Tochter einer klassischen Sängerin und eines Dirigenten, kam in Seoul zur Welt und fand in ihrer Wahlheimat Frankreich zu einem unverwechselbaren Stil. Munter mischt sie Jazz, Chanson, Pop, Westliches und Östliches. Sogar der Metallica-Song „Enter Sandman“ ist vor ihr nicht sicher, wie auf einem YouTube-Video zu sehen. Ulf Wakenius groovt dabei auf der akustischen Gitarre, ungewöhnlich genug bei diesem Stück. Youn Sun Nah phrasiert den düsteren Rocksong raffiniert jazzig. Sie beherrscht eine stimmartistische Skala vom unheimlichen Flüstern bis zum furchterregenden Schrei.

Theatralisch im besten Sinn ist diese Coverversion. Youn Sun Nah sagt dann auch: „Für mich ist jedes Stück wie ein Theater und erzählt eine Geschichte, die dargestellt werden will.“ Auf ihrem neuem Album „Lento“ verwandelt sie mit Leichtigkeit ganz unterschiedliche Vorlagen in Jazz. „Hurt“, der aufwühlende Nine-Inch-Nails-Song, den Johnny Cash einst gecovert hat, klingt bei ihr herzergreifend elegisch. Aus einer anderen Ecke kommt das Titelstück „Lento“, denn es basiert auf einem melancholischen Prélude des russischen Spätromantikers Alexander Skrjabin. Viel Kreativität also. In ihrer Wahlheimat wurde die Koreanerin vom Kulturministerium als „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet. Auch das hiesige Feuilleton jubelt – die FAZ bezeichnete Youn Sun Nah sogar als „interessanteste Stimme in der heutigen Jazz-Welt“.

Johannes Oerding. Foto: Ben WolfYoun Sun Nah. Foto: nhLeslie Clio. Foto: nh

Seinen Start hat das Festival einige Tage zuvor: Am 12. und 13. Juli eröffnen die Urban Mash Up All Stars die Kulturzelt-Saison, es ist eine Wiederholung des erfolgreichen Konzepts vom Vorjahr. Eine Band mit angesagten Soulmusikern wie den Jonny Blazers von Jan Delay bildet die Antriebseinheit für eine gut gelaunte Revue. Als Solisten diesmal mit von der Partie: Irma, Miriam Bryant, Flo Mega, Matteo Capreoli und Fetsum.

Am 14. Juli rockt die Hamburger Band Selig das Kulturzelt – klar, dass man ohne Stühle auskommt. Leiser wird es einen Tag später, wenn Songpoetin Anna Depenbusch einen „Sommer aus Papier“ bastelt. Am 17. Juli geben sich die erwähnten Youn Sun Nah und Ulf Wakenius die Ehre, bevor am Folgetag ein afrikanischer Star nach Kassel kommt: der kamerunische Saxofonist Manu Dibango. Schon die ersten Konzerte zeigen eine beeindruckende Vielfalt.

Hochkarätig geht es weiter: Die britische Band Tindersticks (19. Juli), bekannt für ihren alternativen Gitarren-Pop, ist ebenso dabei wie das Trio des Jazzpianisten Michael Wollny (21. Juli). Als grandioser Pianist und Entertainer gilt Chilly Gonzales, der sich auf einem Video von Zeit Online flott als „musical genius“ vorstellt. Am 25. Juli kann man nachprüfen, ob der gute Mann die Wahrheit sagt.

Rolf Denecke, Edgar Knecht, Stephan Emig und Tobias Schulte (v.l.). Foto: Klinger, EisenlohrAm 26. Juli ist die wegweisende deutsche Independent-Band The Notwist am Start. Jane Birkin, berühmt unter anderem durch das laszive Duett „Je t’aime … moi non plus“ mit Serge Gainsbourg, zelebriert einen Tag später ihre Liebe zu Japan. Überhaupt geben sich faszinierende Sängerinnen die Klinke in die Hand. Um nur drei weitere zu nennen: Tina Dico (1. August), Sophie Hunger (14. August) oder die nigerianisch-amerikanische Vokalistin Iyeoka (8. August), über die es im Programmheft schwärmerisch heißt: „Iyeoka wird Europa im Sturm erobern. Wir sind dabei und sagen ja!“

17 Hippies beim Finale
Bereits ausverkauft ist der Auftritt von Jan Josef Liefers & Oblivion am 9. August. Auf den 17. August freuen sich Fans des Schlagzeugers Manu Katché. Am 23. August gibt der erfolgreiche Kasseler Jazzpianist und Volkslied-Auffrischer Edgar Knecht mit den Schlagzeugern Stephan Emig und Tobias Schulte sowie dem Bassisten Rolf Denecke das CD-Release-Konzert „Dance on deep water“. Den Abschied am 25. August versüßt eine bewährte Gruppe, denn die 17 Hippies spielen erneut beim Finale auf.

www.kulturzelt-kassel.de

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