Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“ – ganzjährige Veranstaltungsreihe der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“

Jérôme Bonaparte, König von Westphalen, unternahm 1808 den Versuch, den Komponisten Ludwig van Beethoven als Kapellmeister für seinen Hof zu gewinnen. Leider erfolglos. Doch was wäre gewesen, wenn…?

Kulturdezernentin Susanne Völker stellte als Schirmherrn gemeinsam mit den Initiatoren Dr. Peter Gries und Knut Hoffman das Programm von „Was wäre wenn...? Beethoven + Kassel“ vor. Foto: Constanze Wüstefeld

Kulturdezernentin Susanne Völker stellte als Schirmherrn gemeinsam mit den Initiatoren Dr. Peter Gries und Knut Hoffman das Programm von „Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“ vor. Foto: Constanze Wüstefeld

Vor dem Hintergrund dieser Frage und mit Blick auf den 250. Geburtstag Beethovens im Jahr 2020, gründete sich auf Initiative der Musikakademie im Jahr 2018 die Projektgruppe „Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“, die nun eine gleichnamige Veranstaltungsreihe im Rahmen eines Pressetermins gemeinsam mit der Schirmherrin, Kulturdezernentin Susanne Völker, vorstellte. Mit dem auf zwölf Monate ausgelegten Format, an dem weitere Kasseler Kultureinrichtungen und –vereine beteiligt sind, begibt sich die Musikakademie auf eine Spurensuche: ausgehend von der Frage, wie sich das Werk Beethovens und die Musikstadt Kassel gegenseitig beeinflusst haben könnten, ist „Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“ eine Einladung, die Musik des großen Komponisten zu entdecken und gleichzeitig einen neugierigen Blick auf die Lebenswelt Kassels im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert zu werfen. So lassen beispielsweise Studierende der Musikakademie Kassel am 16.12.2019 das Musikleben Kassels im Jahr 1808 konzertant wiederaufleben und am 16.2.2020 werden sämtliche Beethoven-Duosonaten für Klavier im Rahmen eines Gesprächskonzerts aufgeführt.

Anlässlich der Programmvorstellung sagte Kulturdezernentin Susanne Völker: „Eine ‚Was wäre wenn‘- Frage als spielerischer Ausgangspunkt für eine solche Veranstaltungsreihe ermöglicht eine ungewöhnliche Annährung an Beethovens Werk und die Musikstadt Kassel. Gerade das macht die Konzerte, Lesungen und Aufführungen so besonders und es ist zudem eine schöne Gelegenheit, die musikalische Qualität der Studierenden der Musikakademie zu erleben.“

Dr. Peter Gries, Leiter der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“: „Was wäre die Musik ohne Beethoven? Zu seiner Zeit ein Vertreter der Avantgarde und heute ein Mythos, fasziniert dieser Titan der Musikgeschichte bis heute. Die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Akteuren in der Projektgruppe war ebenso spannend wie bereichernd. Allen an der Reihe beteiligten Partner möchte ich an dieser Stelle meinen sehr herzlichen Dank für die wunderbare Zusammenarbeit aussprechen.“

„Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“ beginnt am 16. Dezember 2019 und endet am 16. Dezember 2020.

Hintergrund:
Der Projektgruppe „Was wäre wenn…? Beethoven + Kassel“ gehören zahlreiche Kultureinrichtungen oder –verbände in Kassel an: neben der Musikakademie sind dies unter anderem die Stadtbibliothek Kassel, die Museumslandschaft Hessen-Kassel, der Deutsche Tonkünstlerverband, das Literaturhaus Nordhessen, der Landesverband der Liebhaberorchester Hessen, der Offene Kanal oder die Kasseler Programmkinos. Mit dabei ist auch der Hessische Verein für Geschichte und Landeskunde. Darüber hinaus besteht unter anderem eine Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Kirche sowie dem Seniorenprogramm der Stadt Kassel.

Informationen über die Uhrzeiten, Veranstaltungsorte und Ausführenden sind ab 11. November zu finden: in den vier Quartalsprogrammen auf der Website der Musikakademie: https://www.kassel.de/einrichtungen/musikakademie/aktuelles-und-veranstaltungen/inhaltsseiten/veranstaltungskalender.php

Über die geschichtlichen Zusammenhänge:
Wer hätte das gedacht: fast wäre die Stadt Kassel nicht nur Wahlheimat der Brüder Grimm, sondern auch Ludwig van Beethovens geworden. 1808, also unmittelbar nach der Gründung des Königreichs von Westphalen, kam es wohl aus dem Bestreben, dem französischen Vasallenstaat etwas mehr kulturellen Glanz zu verleihen dazu, dass im Auftrage Jérôme Bonapartes, König von Westphalen, in erster Linie aber jüngerer Bruder des französischen Kaisers, Friedrich Ludwig III. Graf Truchsess zu Waldburg als Unterhändler in Wien den Star der dortigen Musikszene mit einem lukrativen Angebot an den Kasseler Hof und sein Theater zu locken versuchten.

Ob er ihm nun wirklich „Kumm rewwer, Beethoven!“ zuraunte, wie in einem Artikel der Zeitschrift „Jérôme“ am 9. Februar 2019 scherzhaft gemutmaßt wurde, sei dahingestellt. Tatsache ist aber, dass Beethoven zunächst wohl gar nicht abgeneigt gewesen zu sein schien. Wäre der erste wirtschaftlich erfolgreiche und darauf auch stolze Freiberufler der Musikgeschichte doch fast den Verlockungen der Festanstellung erlegen? Oder sympathisierte er gar mit der Herrschhaft Jérômes, die auch in Kassel selbst, dessen Bevölkerung dem abgedankten Kurfürsten Wilhelm nun wahrlich keine Träne nachweinte, doch zu Anfang sehr positive Erwartungen weckte? Geschickt wartete der neue König nämlich mit zukunftsgewandt anmutenden politischen und kulturellen Projekten auf. So wurde ein weiterer vielversprechender junger Mann, kein Ton-, sondern ein Baukünstler, Leo Klentze, damit beauftragt, neben dem Schloss Napoleonshöhe (davor und danach wieder Wilhelmshöhe) einen neuen Theaterbau, das heutige Ballhaus zu errichten. In diesem hätte Beethoven wohl seine Opern einstudiert und aufgeführt.

„Ach, wäre das schön gewesen!“, raunt man sich daher in Kassel in Erinnerung der Geschehnisse zu. „Um Himmels Willen, das geht ja gar nicht!“, lässt sich allerdings die Reaktion im Wien der damaligen Zeit wohl überspitzt zusammenfassen. Und als eine Art frühes, wenn auch nicht bürgerschaftliches, sondern aristokratisches Engagement der Kulturszene muss es wohl bewertet werden, dass sich drei ehrwürdige und wirtschaftlich potente Herren, Herzog Rudolph, Fürst Lobkowitz und Fürst Kinsky, zusammentaten und mit der argumentativen Kraft einer Leibrente von 4000 Gulden den verehrten Meister von den Vorteilen des Verbleibs in der Donaumetropole überzeugten. Ob letzterer nun vor allem geschickt in Bleibeverhandlungen war oder sich wirklich mit einer Tätigkeit im Land von Ahler Wurscht und Weckewerk hätte anfreunden können, lässt sich anhand des Briefs vom 7. Januar 1809 an seinen Freund und Verleger Härtel nicht mehr nachvollziehen.

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