Zum Relaxen lässt sie die Stones rocken

Der gewerbliche Bereich gewinnt aus Heike Fehr-Harms Perspektive als Entsorgungsunternehmerin zunehmend größere Bedeutung. „Den Firmen öffnen wir uns mit Kreativität und Engagement. Der Markt offeriert über die klassischen Entsorgungs- und Logistikdienstleistungen hinaus Chancen, die wir in den nächsten Jahren verstärkt nutzen wollen“, macht sie deutlich. Foto: Mario Zgoll

Der gewerbliche Bereich gewinnt aus Heike Fehr-Harms Perspektive als Entsorgungsunternehmerin zunehmend größere Bedeutung. „Den Firmen öffnen wir uns mit Kreativität und Engagement. Der Markt offeriert über die klassischen Entsorgungs- und Logistikdienstleistungen hinaus Chancen, die wir in den nächsten Jahren verstärkt nutzen wollen“, macht sie deutlich. Foto: Mario Zgoll

Nachdem Heike Fehr-Harms 16 Jahre im Norden Deutschlands gelebt hatte und zuletzt als Umweltreferentin bei der Handelskammer Bremen tätig gewesen war, brachte der August 2009 die Wende für sie: Die gebürtige Lohfeldenerin kehrte zusammen mit ihrem Ehemann Jörg Harms nach Nordhessen und ins familiengeführte Entsorgungsunternehmen mit dem orange-schwarzen Logo zurück. Den Schritt zur Gesellschafterin und Geschäftsführerin machte die willensstarke Managerin mit dem verbindlichen, freundlichen Wesen gern: „Ich scheue mich nicht davor, unternehmerische Verantwortung für dieses Haus und seine Menschen zu übernehmen. Deshalb bin ich mit Freude wieder in die Mitte Deutschlands gekommen, um die Zukunft unserer Gruppe zu gestalten und für die Region aktiv zu werden.“

Zusammen mit ihrem Bruder Andreas Fehr leitet Heike Fehr-Harms nun den traditionsreichen Verbund, der mittlerweile knapp 1.800 Belegschaftsmitglieder an fast 50 Standorten beschäftigt und zu den Top Ten der deutschen Entsorgungsbranche zählt. In vielerlei Hinsicht konnte die Managerin vor 18 Monaten an die Erfahrungen anknüpfen, die sie Anfang der 1990er Jahre im Unternehmen gesammelt hatte. Doch die Dimensionen hatten sich dramatisch verändert: War Fehr damals ein echter mittelständischer Betrieb gewesen, der nahezu ausschließlich in Nordhessen tätig war, so ließ der Erwerb zweier Tochtergesellschaften aus dem RWE-Verbund die Zahl der Mitarbeiter in vierstellige Dimensionen steigen und den Namen Fehr auch in Südhessen und bis an die polnische Grenze leuchten. „Das ist eine echte Herausforderung. Und die wird es auch in den nächsten Jahren bleiben“, räumt Heike Fehr-Harms unumwunden ein. Die Strukturen den künftigen, geänderten Anforderungen des Entsorgungsmarktes anzupassen und auf allen Ebenen sowie an sämtlichen Standorten den mittelständischen Teamgeist zu etablieren, wird die ganze Kraft und Energie der Betriebswirtin in Anspruch nehmen. Und Power hat die frühere Schülerin des Kasseler Engelsburg-Gymnasiums eine ganze Menge.

Nordhessen sind selbstbewusster geworden
Kassel und die Region erlebt sie heute anders als vor knapp 20 Jahren. „Die Gegend hat sich positiv verändert“, freut sich Heike Fehr-Harms. Die Stadt sei ansprechender sowie grüner geworden und habe an Lebensqualität gewonnen. Die Wirtschaft boome, was sich nicht zuletzt an der insgesamt positiven Entwicklung der Arbeitslosenzahlen zeige. Am wichtigsten ist ihr jedoch ein anderer Punkt: „Das Selbstverständnis der Menschen hat sich deutlich gewandelt“, so Fehr-Harms. Die Nordhessen schämten sich nicht mehr ihrer Heimat, wie das zuvor häufig zu beobachten gewesen sei. Vielmehr verwiesen sie jetzt mit Stolz auf ihre Märchen- und Universitätsstadt, die mit Kunst und Kultur, Bildung und ökonomischen Erfolgsgeschichten aufwarte. Gern erwähnt sie in dem Kontext, dass auch ihre langjährige Heimatgemeinde Lohfelden zugelegt hat. Die grüne Mitte habe die Gemeinde am Loh „zur Boomtown werden lassen“, die mit zahlreichen neuen Wohngebieten bei den Menschen punkte.

Aus der Region, für die Region
Zurück zum deutschen Entsorgungsmarkt. Der präsentiert sich heute aus Sicht der Managerin ganz anders als vor zwei Jahrzehnten. Das liegt nach ihren Worten daran, dass ein erheblicher Konzentrationsprozess stattgefunden hat und dort jetzt zu Lasten des klassischen Mittelstandes sehr viel mehr größere, zum Teil ausländische Unternehmen aktiv sind – zum Beispiel aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Diese seien weniger regional verwurzelt und sorgten für einen deutlich härteren Wettbewerb. Insbesondere bei kommunalen Aufträgen zählten vor dem Hintergrund des EU-Ausschreibungsrechts Kontinuität und soziale Verpflichtungen kaum noch.  Nicht zuletzt deshalb hält sie den gewerblichen Bereich für zunehmend wichtiger. „Den Unternehmen öffnen wir uns mit Kreativität und Engagement. Der Markt offeriert über die Entsorgungs- und Logistikdienstleistungen hinaus Chancen, die wir in den nächsten Jahren verstärkt nutzen wollen“, macht Fehr-Harms deutlich.

Der Konzentrationsprozess auf dem Markt wird nach ihrer Einschätzung weiter voranschreiten. Umso mehr komme es mit Blick auf ihre Gruppe darauf an, die eigenen Organisationsstrukturen schlank und die Kosten im Blick zu halten, um mit einem engagierten Team am Markt zu punkten. „Wir reagieren als Mittelständler schnell. Das ist unsere Stärke – und die wollen und werden wir nutzen“, sagt sie mit fester Stimme. In diesem Sinne strebt die Unternehmerin an, dass ihr Haus mehr Dienstleistungen, ein noch breiter gefächertes Angebot aus einer Hand an den  Märkten platziert – nach dem Motto „Aus der Region, für die Region“. Dabei, so ihre Erwartung, soll sich das soziale, gesellschaftliche und kulturelle Engagement der Gruppe positiv auf die geschäftliche Entwicklung auswirken und der Netzwerkgedanke dem schieren Preiswettbewerb den Rang ablaufen.

„Frauen können besser mit Fehlern umgehen“
Die Endvierzigerin zeigt sich überzeugt, dass sich immer mehr Frauen gut ausbilden lassen und sie in der Folge zunehmend wichtigere Positionen in der Wirtschaft einnehmen werden – unabhängig von gesetzlichen Auflagen. Sie weiß, wovon sie spricht. Als Fehr-Harms vor mehr als zwei Dekaden in der Entsorgungswirtschaft tätig wurde, war sie die jüngste weibliche Führungs- und Fachkraft. Lediglich eine weitere Managerin ließ sich damals in der Szene ausmachen – „und die war bereits so alt wie mein Vater“, räumt die Nordhessin ein.

In diesem Umfeld, so Fehr-Harms, habe sie als Frau in den entsprechenden Gremien ständig ihre fachliche Kompetenz beweisen müssen. „Ich habe mich ständig weitergebildet, engagiert und so Zeichen gesetzt“, blickt sie zurück.  Nach wie vor sei es so, dass sich eine Frau im Management mehr beweisen müsse als ein Mann, da der Anspruch an weibliche Führungskräfte höher sei. Frauen setzten mehr auf kooperativen Führungsstil, seien zumeist kommunikativer und hinterfragten sich sowie ihr Tun selbstkritischer als Männer. Diese Fähigkeiten, gelte es, als Chance zu nutzen.

Vorfreude auf die documenta
Das Ganze sieht Heike Fehr-Harms nicht nur theoretisch so. Sie handelt im eigenen Unternehmen danach. Etwa dann, wenn es gilt, weiblichen Nachwuchskräften über Praktika oder innovative Wege wie dem Betriebswirtschaftslehrestudium an der Berufsakademie Mannheim Chancen zu eröffnen. Sie verweist auf Carla Unger und Sieglinde Groß, „die aufgrund ihres immensen Fachwissens in der Abfallwirtschaft leitende Funktionen bekleiden“.

Egal, ob Frau oder Mann – um im Beruf Erfolg zu haben, braucht man(n) den passenden Ausgleich in Form eines intakten, harmonischen Familienlebens mit Hobbys, die einem wichtig sind. Davon ist Heike Fehr-Harms überzeugt, denn es sei von großer Bedeutung, „einmal richtig abzuschalten“. Sie selbst findet Entspannung in einem spannenden Kriminalroman, einem historischen Band oder bei guter Musik im Konzert. „Klassische Musik höre ich ebenso gern wie Rockiges von den Rolling Stones“, verrät sie.

Das große kulturelle Angebot der Fuldastadt schätzt Heike Fehr-Harms. Sie liebt Kleinkunstbühnen, besucht Konzerte, schaut sich Ausstellungen in den zahlreichen hochkarätigen Museen an. Insofern freut sie sich auf das nächste Jahr, wenn die besten zeitgenössischen Künstler der Welt bei der documenta Kassel für 100 Tage zum globalen Treffpunkt machen werden.

Und in Sachen Fitness? Am Fuß des Wilhelmshöher Bergparks wohnend, hat Fehr-Harms Nordic Walking für sich entdeckt. Darüber hinaus schwingt sie sich zuhause auf ihr Trimmrad und tritt in die Pedale.

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