Anette Trayser: „Die aktuelle Krise eröffnet Chancen!“

Anette Trayser. Foto: nh

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Anette Trayser bringt es auf den Punkt: „Ein wesentlicher Stützpfeiler unseres Unternehmenskonzepts sind verbindliche ethische Grundsätze, die auf der Basis des christlich-abendländischen Wertefundaments beruhen.“ Eine klare Aussage, die vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise aktueller ist denn je. Die Geschäftsführerin leitet zusammen mit ihrem Kollegen Johannes Sczepan das Kasseler Finanzdienstleistungsunternehmen Plansecur (www.plansecur.de). Es handelt sich um eine bundesweit tätige, konzernunabhängige Gruppe für systematische Finanzplanung und -vermittlung. 1986 in Bonn gegründet, hat die Zentrale seit 1997 ihren Sitz in Kassel. 240 selbstständige Finanzberaterinnen und -berater betreuen mehr als 63000 Kunden. Im Geschäftsjahr 2007/2008 lagen die Provisionserlöse bei 27 Millionen Euro. Die Beratungs- und Servicebüros sind an mehr als 50 Standorten vertreten.

Mit Thomas Bartling stellte das Unternehmen den Sieger 2008 des bundesweiten Experten-Wettbewerbs „Finanzberater das Jahres“. Bei der Suche nach Deutschlands kundenorientiertestem Dienstleister wurde Plansecur 2008 als beste Finanzberatungsgesellschaft ausgezeichnet. Doch: Greift die Ausrichtung des Hauses in einer immer weniger christlichen Welt noch? Lässt sich eine Werteorientierung im modernen Wirtschaftsleben tatsächlich praktizieren? Mit welchen Risiken und Nebenwirkungen ist eine solche Strategie verbunden? Oder markiert gerade die derzeitige Krise einen Wendepunkt?

Jérôme: Frau Trayser, worauf geht die Werteorientierung Ihres Hauses zurück? Was war sozusagen der Ausgangspunkt, der Ursprung?

Trayser: Als mein Vater und seine Partner Plansecur vor über 20 Jahren gründeten, kamen sie alle aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen. Schnell zeigten sie sich einig, dass die Dienstleis-tungen, die sie sich vorstellten, nicht mit den Vorgaben der Branche und denen der Produktgeber zusammenpassen würden. Es ging insbesondere darum, kundenorientiert und unabhängig zu beraten. Genau das, so die Erkenntnis, würde lediglich punktuell, nicht aber langfristig durchzuhalten sein. Ihr Credo lautete: Eine unabhängige Beratung ist nur dann möglich, wenn man selbst unabhängig ist. Diese Unabhängigkeit an sich stellte für die Gründer des Beratungshauses, das den Beratern gehört, schon einmal einen Wert dar, den es zu bewahren galt und gilt. Wir sind Makler und verstehen uns als Mittler zwischen den Kunden und den Produkten. Darüber hinaus war es den Gründern wichtig, „ungespalten“ arbeiten zu können.

Jérôme: Was bedeutet das konkret?

Trayser: Dahinter steht die Absicht und Forderung, sein Leben so zu führen, dass die christlichen Überzeugungen sowohl das Geschäfts- als auch das Privatleben prägen. Vor dem Hintergrund sehen wir die christlich-abendländische Kultur als unser Fundament, auf dem wir unsere Geschäfte im Sinne des Wortes als ordentliche Kaufleute machen. Dazu zählt nicht zuletzt das christliche Menschenbild, wonach jeder Mensch einmalig bzw. einzigartig und mit dem entsprechenden Respekt zu behandeln ist.

Jérôme: Gilt das auch angesichts der Tatsache, dass unsere Gesellschaft nach außen hin immer weniger zu ihren christlichen Überzeugungen steht, dass die Kirchen generell immer leerer werden?

Trayser: Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen Werte, Maßstäbe, Orientierung und Grenzen suchen. Die Aspekte sollten im privaten und beruflichen Leben möglichst deckungsgleich sein. Insofern wünschen sich Menschen ein Umfeld, das so „tickt“ wie man selbst, das die eigenen Werte in den Vordergrund stellt.

Jérôme: Inwieweit sprechen Sie die erwähnten Werte an, wenn Sie neue Mitarbeiter suchen?

Trayser: Im Hinblick auf unsere Berater können wir das ganz offen ansprechen. Da heben wir einerseits die Qualität hervor; schließlich suchen wir die Besten, weil wir das Beste für unsere Kunden wollen. Andererseits betonen wir, dass wir Menschen suchen, die ihren Beruf zusammen mit Gleichgesinnten auf einem bestimmten Wertfundament gestalten möchten.

Jérôme: Wie reagieren Interessenten bzw. Kunden auf die Werteorientierung Ihres Hauses – gerade angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise?

Trayser: Erfreut registrieren wir, dass gerade in den turbulenten letzten Monaten eine ganze Reihe von Interessenten bzw. neuen Kunden von sich aus aktiv auf uns zugekommen ist, nachdem sie sich zum Teil enttäuscht von ihren Banken abgewendet und von uns sowie unserer Ausrichtung gehört haben. Jetzt geben sie uns als unabhängigem Berater mit der Erwartung eine Chance, dass wir auf Werte setzen und anders herangehen als ihr bisheriger Partner. Insofern bietet die Krise zweifellos Chancen!

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