Damit der Weg in den Markt gelingt

Nordhessische Unternehmer unterstützen kreative junge Gründer

Hochkarätige Spezialisten für zementgebundene Werkstoffe: Ein Jahr lang erhielten die beiden G.tecz-Gründer Dr. Gregor Zimmermann und Dr. Thomas Teichmann beim Kasseler Inkubator Unterstützung, von Januar 2008 bis Anfang 2009. Foto: Paavo Blåfield

Hochkarätige Spezialisten für zementgebundene Werkstoffe: Ein Jahr lang erhielten die beiden G.tecz-Gründer Dr. Gregor Zimmermann und Dr. Thomas Teichmann beim Kasseler Inkubator Unterstützung, von Januar 2008 bis Anfang 2009. Foto: Paavo Blåfield

Rückenwind auf dem Weg an den Markt: Ein Jahr lang erhielten die G.tecz-Gründer beim Kasseler Inkubator Unterstützung. „Wertvolle Hilfe bekamen wir etwa im Hinblick auf die Finanzierung“, blickt Dr. Gregor Zimmermann zurück. Zusammen mit Bauingenieur Dr. Thomas Teichmann hob der ehemalige Student der Uni Kassel das Unternehmen G.tecz (www.gtecz.com) aus der Taufe, das für German Technologies and Engineering Concepts steht. Das Duo zählte zu den ersten Teams, die sich mit erfolgversprechenden Ideen an die Institution der Hochschule wandten.

Beide beschäftigen sich mit zementgebundenen Werkstoffen. Heute gehören sechs Ingenieure zu G.tecz. Aktiv sind sie im Business to Business-Bereich, „wir entwickeln Ideen von Profis für Profis“, wie Teichmann sagt.

Zunehmend interantional
In der Startphase war es für G.tecz wichtig, so Zimmermann, „die Sprache der Architekten zu sprechen, Kooperationen mit Architekten einzugehen.“  Mittlerweile ist das Unternehmen zunehmend internationaler unterwegs. Die Aufträge kommen aus Deutschland, aus den USA und der Türkei. Zimmermann: „Vom sozialen Wohnungsbau bis zur NASA setzen viele Kunden auf unser Know-how.“

G.tecz verstärkt nun seine Marketing-Aktivitäten. Insbesondere soll der Bekanntheitsgrad des Hauses gesteigert werden. Daneben gilt es, „neue Rezepturen zu finden, Mitarbeiter zu schulen und unsere Produkte weiter zu entwickeln“, betont Teichmann.

Mit 5000 Euro pro Jahr dabei
Ein Blick zurück: Die vom Unternehmerverband Nordhessen, UNH, in Auftrag gegebene Studie über die Entwicklungspotenziale Nordhessens hatte im vergangenen Jahr Nachholbedarf auf den Feldern Bildung, Gründergeist, Wissenstransfer, Industrie/produzierendes Gewerbe und Patente ermittelt. „Wir greifen nun die Ergebnisse der Untersuchung auf und engagieren uns im Sinne der Nachhaltigkeit, um die Defizite auszugleichen“, hebt UNH-Hauptgeschäftsführer Klemens Diezemann hervor.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Stefan Lange, fügt hinzu: „Als Beitrag zum Bereich Gründergeist wollen wir die Begeisterung für unternehmerische Selbstständigkeit als zukunftsfähiges Lebensmodell wecken.“ Der UNH sehe es als seine Aufgabe an, sich beim Inkubator der Uni Kassel finanziell und ideell zu engagieren. Gesagt, getan: Für den Unternehmerverband Nordhessen setzte Lange seine Unterschrift unter einen Sponsoring-Vertrag mit dem Inkubator. Mit 5000 Euro fördert der UNH die Einheit der Uni Kassel pro Jahr. Außerdem wollen Lange und Co. den Start Ups bei Bedarf ihr Know-how zur Verfügung stellen.

Anlagen richtig dimensionieren
Ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Ausgründung bietet die Fsave Solartechnik GmbH (www.fsave.de). Der Name des von Claudius Wilhelms geleiteten Unternehmens steht für Fractional Energy Savings. Der gelernte Maschinenbauer beschäftigt sich seit 2005 mit Solaranlagen. Auf dem Weg zur Selbständigkeit stand Wilhelms vor der Aufgabe, „den Marktnutzen meiner Geschäftsidee abzuschätzen“, erläutert er.

Gefördert vom Inkubator, fiel der Startschuss für sein Unternehmen im März 2009. Anfangs war ein Quartett aktiv, derzeit beschäftigt das Start Up elf Mitarbeiter.

50 Prozent der Energie einsparen
„Unsere Spezialität sind solare Großanlagen aus einer Hand“, macht Wilhelms deutlich. Im Blick haben die Fsave-Fachleute insbesondere die Warmwasser-Versorgung von Gebäuden. Der Clou ist es aus Sicht des Gründers, die Anlage richtig zu dimensionieren. „50 Prozent Energie einzusparen, lautet in der Regel unser ehrgeiziges Ziel“, so Wilhelms.
Als Zielgruppen hat er sowohl Öko-Freaks als auch Unternehmer im Visier. Sie alle beeindruckt Fsave „mit einem speziellen Solarspeicher als USP“, erklärt Wilhelms. Er hat sich eine kleine, lukrative Marktnische gesucht. Nach seiner Einschätzung sind nur drei weitere Anbieter bundesweit in dem Segment tätig.   Das verwundert nicht – sind doch die Prozesse, mit denen sich Fsave beschäftigt, äußerst komplex. Der Chef sieht in seinem Haus vier Ausrichtungen: „Wir sind gleichzeitig ein produzierendes, ein Planungs-, ein Montage- und ein Innovationsunternehmen“, unterstreicht Wilhelms.

Gegen risikoscheue Mentalität
Stefan Lange, Geschäftsführer des Spezialisten von Verbindungs- und Befestigungselementen, der Lange & Co. KG, will mutige Gründer wie die von G.tecz und Fsave mit Strategien und Ideen unterstützen. Er verweist auf das breite Service-Angebot seines Verbandes. Es gelte, „die vielfach unterentwickelte Kultur der Selbstständigkeit sowie die weit verbreitete Risikoscheu“ zu überwinden. Als positives Indiz für die Kreativität der High Potentials wertet der Manager, dass in Nordhessen überdurchschnittlich viele Patente angemeldet werden.

Untertützt durch Unternehmerverband
Klemens Diezemann hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Nachwuchskräfte als Dienstleister zu unterstützen. „Sie müssen lernen, sich als Arbeitgeber zurecht zu finden und sich dabei etwa mit Mitarbeiterführung und Haftungsfragen auseinandersetzen“, so der UNH-Hauptgeschäftsführer. In den Kontext offeriere sein Haus kostenlose Seminare und helfe, Kontakte aufzubauen sowie zu pflegen.

Praktisches Erfahrungswissen gefragt
Dr. Oliver Fromm, Geschäftsführer von UniKasselTransfer, sieht den Inkubator als institutionellen Bestandteil der Universität Kassel. Es gehe darum, Gründer und ihre Ideen aktiv zu unterstützen. Von großer Bedeutung sei es, „in einer frühen Phase zu helfen, in der quasi noch rohe Ideen entwickelt werden“. Wichtig sei es, den Prozess als Mentoren der Gründer zu begleiten, zu strukturieren und konzeptionell zum Erfolg zu führen.

Dabei ist nach Fromms Worten modernes Know-how gefragt. Doch nicht nur das. Auch „praktisches Erfahrungswissen“ müsse genutzt werden, wenn es etwa um den Markteintritt und den Vertrieb gehe.

Als erster Ansprechpartner steht den Gründern Jörg Froharth zur Seite. Der Leiter des Inkubators hat seit 2007 insgesamt 23 Projekte auf dem Weg in den Markt begleitet. Alle sie müssen sich nun im freien Spiel der Kräfte behaupten. Ob eines Tages eine neue Erfolgsgeschichte à la SMA dabei herauskommen wird? Die Region kann solche Storys gebrauchen!

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