Deutschlands bester Boss: Dipl.-Ing. Matthias Krieger im Interview

Matthias Krieger setzt auf begeisterte Mitarbeiter und begeistert so auch seine Kunden. Foto: Mario Zgoll

Matthias Krieger setzt auf begeisterte Mitarbeiter und begeistert so auch seine Kunden. Foto: Mario Zgoll

Wer seine Mitarbeiter begeistert, profitiert davon in hohem Maße. Bauunternehmer Matthias Krieger hat das erkannt und seine Führungskultur verändert. Er weckt damit ungeahntes Potenzial. Jüngst wurde sein Unternehmen, die Krieger + Schramm GmbH & Co. KG, als bester Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Seine Erfolgsformel will einfach klingen: „Je mehr ich teile, desto mehr Erfolg habe ich.“ Aber diese Erkenntnis hat ihn viel Kraft gekostet.

Jérôme: Wann haben Sie als Arbeitgeber entdeckt, was Mitarbeitermotivation bringt?

Matthias Krieger: Das war ein sehr langer Prozess für mich persönlich. Ich komme aus dem Hochleistungssport und bin in vier völlig unterschiedlichen Sportarten Landesmeister geworden. Insofern hat sich die Frage für mich nie gestellt, wie ich mich motiviere – das liegt in meiner Natur. Und wenn ich ein Team geführt habe, im Handball zum Beispiel, dann waren da andere Fragen zu klären: Strategiefragen, Technikfragen – im Hinblick auf die Meisterschaft. Motiviert waren alle von sich aus.

Jérôme: Das haben Sie auch als Arbeitgeber vorausgesetzt?

Krieger: Ja. Und ich hatte auch ohne diese neuen, weichen Führungstechniken Erfolg. Es gibt ja unterschiedliche Strategien, wie man die Menschen ins Handeln bringt. Wenn man den Leuten Dampf macht oder auch Angst und sagt, wenn ihr nicht funktioniert, schmeiße ich euch raus, ist das die Druckstrategie. Das funktioniert bis zu einer gewissen Grenze. Bei der anderen, der Zugstrategie, geht es darum, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, eine angenehme Erfahrung zu machen.

Jérôme: Warum haben Sie sich für die Zugstrategie entschieden?

Krieger: Mit der Zugstrategie kann man besser wachsen. Ich habe geführt, wie man ein Hochleistungsteam führt. Um aber mit normalen Menschen wachsen zu können, musste ich mich stärker zur Zugstrategie hinentwickeln. Es geht dabei um intrinsische Motivation: Es muss uns gelingen, unsere Mitarbeiter abzuholen, einzuladen selbst mit zu gestalten, mit Emotionen dabei zu sein. In den letzten fünf Jahren haben wir uns komplett anders aufgestellt. In dieser Zeit musste ich mich auch als Mensch ändern.

Jérôme:  Wo sehen Sie die größten Vorteile?

Krieger: Man kann ein Unternehmen auf diesem Weg gigantisch an Wissen bereichern. Es nützt nichts, wenn man fünf Superhelden hat, die das Unternehmen leiten und die anderen 70 gucken zu. Es ist viel besser, wenn man das Unternehmen sehr breit aufstellt, so dass alle mitgestalten, mitarbeiten, mitdenken.

Jérôme: Und das geht so einfach?

Krieger: Das ist ein Prozess, den wir vor fünf oder sechs Jahren begonnen haben. Zuerst musste ich mich selbst ändern. Ohne einen Wandel bei mir in der Persönlichkeit wäre das nicht gegangen. Ich musste lernen, dass ich nicht nur auf die Leistungsträger schaue, sondern dass ich alle erreiche und mitnehme. Das habe ich auch geschafft und diesen Veränderungsprozess über mich ergehen lassen – ein sehr langer Prozess.

Jérôme: Es hat also mit Loslassen zu tun?

Krieger: Absolut. Starke Persönlichkeiten ziehen alles an sich heran. Ich habe dann gemerkt, was ich eigentlich vorher schon wusste: Je mehr ich teile, desto mehr Erfolg habe ich. Je mehr ich loslasse, desto erfolgreicher wird das Unternehmen. Für eine starke Persönlichkeit klingt das schizophren. Man denkt immer, man muss sich einbringen, muss alles machen, hat das größte Talent, muss Vollgas geben. Aber dann schauen die anderen einfach nur zu. Die sehen was der Alte macht und dann rennen sie halt hinterher. Aber sie bringen keine Inputs.

Jérôme: Wie haben Sie sich neu aufgestellt?

Krieger: Wir haben alles der Reihe nach entwickelt. Wir haben gemeinsame Teamregeln entwickelt. Wir haben gemeinsam unsere Werte entwickelt. Wir haben gemeinsam unsere Vision entwickelt. Wir haben gemeinsam unsere Leitziele entwickelt. So hat sich eine neue Struktur für uns aufgebaut, eine neue Philosophie, mit der sich jeder identifizieren konnte. Und wenn man den Menschen dann auch zeigt, dass sie wertvolle Arbeit verrichten, die man wertschätzt, schafft das Motivation – bis runter zum „schwächsten Glied“.

Jérôme: Sie übertragen Ihren Mitarbeitern auch viel Verantwortung.

Krieger: Natürlich. Der Bauleiter oder ich, wir sagen dem Polier nicht, wie er sein Haus bauen soll. Das soll er schön selber machen. Erfolgreiche Menschen arbeiten selbstständig. Übrigens auch „Schwarzarbeiter“ – die organisieren sich selber. Man muss den Leuten Freiräume geben. Wenn man die Menschen überreguliert, ist das kontraproduktiv.

Jérôme: Man attestiert Ihnen, dem ruinösen Preiswettbewerb zu trotzen. Wie machen Sie das?

Krieger: Wenn Sie es schaffen, zu einhundert Prozent zur Zugstrategie überzugehen, dann wecken Sie ganz andere Ressourcen. Natürlich haben wir einen Wettbewerb durch Schwarzarbeit, Dumpingpreispolitik – einen Preiskrieg, ganz klar. Dem können wir uns auch nicht entziehen. Wenn wir dem begegnen wollen, dann brauchen wir eine höherwertige Strategie. Wir haben Freude beim Erreichen unserer Ziele – da geht es auch um Innovation, um Verbesserung im Qualitätsmanagement. Wenn ich alleine die Innovation machen will, dann werde ich immer wieder scheitern – ich brauche unsere Mitarbeiter, deren Kreativität und Wissen. Wir brauchen Vorbilder und wir brauchen Willenskraft.

Jérôme: In diesem Jahr erscheint Ihr Buch, in dem Bauunternehmer Martin Ritter sein Unternehmen neu ausrichtet. Kein Sachbuch, sondern Belletris-tik. Wie viel von Ihrem unternehmerischen Wissen geben Sie da preis?

Krieger: Ich werde die wichtigsten sieben Erfolgstreiber erläutern. In einem zweihundertseitigen Roman kann man aber sicher nicht alles darstellen. Das Buch richtet sich an Menschen, die sich weiterentwickeln wollen.

Jérôme: Wie viel hat Martin Ritter mit Ihnen gemeinsam?

Krieger: Martin Ritter ist in etwa der Matthias Krieger von vor 20 Jahren. Seinen Vater, der sein Mentor ist, habe ich mit meinem heutigen Wissen ausgestattet. Von daher haben die Figuren einiges von mir, vieles ist aber frei erfunden. Es soll eine interessante Geschichte sein, aber keine Biografie.

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