Erfolgsgeschichte mit Fanny

Fanny Hensel Portät. Quelle: Furore Verlag

Fanny Hensel Portät. Quelle: Furore Verlag

Machen wir einen Zeitsprung ins frühe 19. Jahrhundert. Damals wuchsen in Berlin zwei musikalisch hochbegabte Geschwister auf, Fanny und Felix. Aus dem kultivierten Bürgertum stammend, erhielten beide eine gründliche Erziehung. Doch dann war das Mädchen entschieden benachteiligt. So schrieb der Vater an die 15-Jährige: „Die Musik wird für ihn [Felix] vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Tuns werden kann und soll.“ Den Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy kennt heute die ganze Welt als einen der bedeutendsten Komponisten der Romantik. Auch Schwester Fanny – nach ihrer Heirat hieß sie Fanny Hensel – komponierte. Erst durch den Furore Verlag wird ihr umfangreiches Werk seit einigen Jahren gewürdigt und überhaupt veröffentlicht.

Gründung im September 1986
Empörung kann am Beginn einer hervorragenden unternehmerischen Idee stehen, und so verhielt es sich auch, als die Betriebswirtin Renate Matthei im September 1986 in Kassel den Furore Verlag gründete. Zu den Impulsen, die zur Gründung des Verlags führten, zählt Matthei ein Erlebnis bei der Frankfurter Musikmesse: „Ich habe auf den dort ausgestellten Produkten keine Frauen-namen gesehen. Ich fragte Verleger-Kollegen, und die antworteten: Frauen können nicht komponieren, denn wenn sie komponieren könnten, hätten wir sie verlegt, und da wir sie nicht verlegt haben, können sie auch nicht komponieren. Ich fand diese Antwort unglaublich unverschämt. Dann forschte ich nach Komponistinnen.“

Im 25. Jahr seines Bestehens ist der in Kassel-Rothenditmold ansässige Furore Verlag nach wie vor weltweit der einzige Musikverlag, der ausschließlich Noten und Bücher von und über Komponistinnen im Programm hat. „Ausschließlich“, wie Matthei betont. Jeder Musikverlag, der etwas auf sich hält, habe heute mindestens eine Komponistin im Programm, doch viel mehr würden es dann selten, sagt die Furore-Geschäftsführerin. Bisher hat ihr Verlag mehr als tausend Werke von etwa 150 musikschaffenden Frauen aus Europa, Amerika, Asien und Australien veröffentlicht. Die historische Spannweite reicht vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Fanny Hensel (1805 bis 1847) ist die bekannteste Komponistin des Furore Verlags. Mehr als 150 Werke der Romantikerin hat er bisher publiziert, zu 99 Prozent handelte es sich um Erstveröffentlichungen. Mehrere Musikforscher meinen heute, dass Fanny Hensels Liedschaffen an Fantasie und Kühnheit die Liedkompositionen ihres Bruders Felix übertreffe. Von ihrem Klavierzyklus „Das Jahr“ gibt es mehrere Einspielungen, darunter eine von der Kritik hochgelobte CD der lettischen Pianistin Lauma Skride (Sony Music). Und vor einigen Monaten führte das American Symphony Orchestra Hensels „Oratorium nach Bildern der Bibel“ in der New Yorker Carnegie Hall auf. Eine Erfolgsgeschichte von und mit Fanny.

Anerkennung im Ausland
Viermal erhielt der Furore Verlag bisher den Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“, so etwa für die Faksimile-Ausgabe von Hensels „Das Jahr“ oder für die Edition „Ton-Zeichen“ der zeitgenössischen Komponistin Barbara Heller. Besonders anerkannt wird seine Arbeit aber im Ausland, vor allem in den USA, der Schweiz und in Frankreich. „Im Ausland werden wir als Spezialisten geschätzt“, sagt Matthei. „In Deutschland heißt es dagegen: der Frauenmusik-Verlag. Das hören wir nicht so gerne, da eine solche Bezeichnung ja unterschwellig andeutet, dass die Musik bei uns in den Hintergrund tritt. Außerdem spricht ja keiner von Männermusik-Verlagen.“

Im Verbund mit den Verlagen Merseburger, Pan und Euregio, die im selben Haus heimisch sind, beschäftigt der Furore Verlag an die 20 Mitarbeiter. Wie er sein 25-jähriges Jubiläum feiert? Geplant
sind 25 Konzerte in der ganzen Welt, zudem entstehen zwei Jubiläumsausgaben, eine mit Klaviermusik, eine weitere mit Arien aus Opern und Oratorien. „Alles in Silber, wie bei einer Silbernen Hochzeit“, bemerkt Matthei. Mit dem Opernband will Furore auf große Werke von Komponistinnen aufmerksam machen und Aufführungen ihrer Opern anregen. 25 Jahre scheinen eine lange Zeit. Doch Renate Matthei sagt voller Elan: „Ich habe das Gefühl, als hätte ich gerade erst gestern angefangen.“

www.furore-verlag.de

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