Kasseler Tarifkunden der Städtischen Werke erhalten CO2-neutrales Gas

„Aktives Handeln für das Klima heißt für uns als Energieversorger, den Energieverbrauch zu senken, regenerative Energien auszubauen und im letzten Schritt, unvermeidliche Emissionen zu neutralisieren“, hebt Andreas Helbig hervor, Vorstandschef der Kasseler Städtische Werke AG. Foto: nh

„Aktives Handeln für das Klima heißt für uns als Energieversorger, den Energieverbrauch zu senken, regenerative Energien auszubauen und im letzten Schritt, unvermeidliche Emissionen zu neutralisieren“, hebt Andreas Helbig hervor, Vorstandschef der Kasseler Städtische Werke AG. Foto: nh

Gelungener Coup in Sachen Ökologie: Als erster deutscher Versorger beliefert die Kasseler Städtische Werke AG seit Januar ihre Tarifkunden der Stadt mit CO2-neutralem Erdgas – ohne Aufpreis. 250.000 Tonnen des klimaschädlichen Gases werden so jährlich vermieden.

Um das Ziel zu erreichen, fördert das Unternehmen Klimaprojekte, die an anderer Stelle der Welt CO2-Emissionen in der Höhe der in Kassel ausgestoßenen Schadstoffe vermeiden. Es handelt sich um zusätzliche Emissionsminderungen, die ohne Projektmittel aus der Documenta-Stadt nicht erreicht würden.

Vorstandschef Andreas Helbig: „Handeln für das Klima heißt für uns, den Energieverbrauch zu senken, regenerative Energien auszubauen und unvermeidliche Emissionen zu neutralisieren.“ Letzteres bedeute, dass die Menge der CO2-Emissionen, die die Privat- und Gewerbekunden des Hauses verursachten, durch Klimaschutzmaßnahmen vermieden würden.

Die Städtischen Werke hatten ihre Tarifkunden 2007 auf Strom aus Wasserkraft umgestellt. Die Kundenzufriedenheit und geringe Wechselquote von unter drei Prozent zeige, dass der Weg richtig sei.

Fünf Projekte im Visier
Unterstützt werden fünf Initiativen weltweit. In Brasilien wird ein Biomasseprojekt gefördert. Anstelle des Holzeinschlags befeuert die Keramikindustrie ihre Brennöfen nun mit Abfallprodukten aus der Landwirtschaft.

Im indischen Gadag District gilt die Kasseler Unterstützung einem Windpark. Das neue 24 MW-Wasserkraftwerk in der türkischen Provinz Kahramanmaras gibt seine Energie ins Stromnetz und spart fossile Brennstoffe ein. Die chinesische Anshan Iron and Steel Group errichtet und betreibt mit Projektmitteln ein 300 MW-Kombikraftwerk. Befeuert wird es durch Hochofengase, die zuvor ungenutzt verpufften.

Ein dreigliedriges Projekt wird in Deutschland gefördert. Drei alte Kohleflöze in Dortmund, Herne und Lünen emittieren Methan, das ständig an die Oberfläche aufsteigt. Der Klimaschadstoff CH4 wird unter Tage aufgefangen und zur Energieerzeugung genutzt.

Die globale Karte spielen
Das Projekt kam schnell in Fahrt. „Im Oktober hat bei uns noch niemand daran gedacht, dass wir uns im Bereich der CO2-Neutralisierung von Erdgas engagieren würden“, räumt Ingo Pijanka ein

Nach den Worten des Pressesprechers nutzt sein Haus das ökologische Engagement für die Kommunikation: „Wir sagen deutlich, dass wir vor über zwei Jahren auf Strom aus Wasserkraft umgestellt haben. Und wir sagen auch deutlich, dass wir jetzt CO2-neutrales Gas anbieten.“

Die Initiative dürfte vor allem ökologisch orientierte Menschen ansprechen. Mit wie vielen neuen Kunden rechnet der Anbieter im Zusammenhang mit dem CO2-neutralen Gas? Pijanka verweist darauf, dass die Städtischen Werke zunächst alle Kasseler Tarifkunden auf CO2-neutrales Naturgas umgestellt haben, also Privathaushalte und viele Gewerbekunden. In Kassel könnten sie nur dann zusätzliche Kunden gewinnen, wenn sie neue ans Gasnetz anschlössen.

Deshalb richtet Pijanka den Blick über die Stadtgrenzen hinaus, „wo wir in den nächsten Monaten Naturgas anbieten werden“. Dabei hofft er auf einen ähnlichen Erfolg wie beim Naturstrom: „Auf dem Feld haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren 31.000 Kunden überzeugt.“

Der Argumentation, dass der globale Ansatz Investitionsgelder in andere Regionen abfließen lasse, die eher Nordhessen zugute kommen sollten, mag Pijanka nicht folgen. Er weist darauf hin, dass sich das Klima global auswirke. Emissionen in Deutschland führten dazu, dass auf der anderen Seite der Erdkugel die Wasserpegel oder die Hurrikan-Wahrscheinlichkeit stiegen.

Pijanka: „Wer beim Klima mit Geldabfluss argumentiert, hat die globalen Wirkungsweisen nicht verstanden.“ Es gelte: „100 Euro Invest in ein modernes deutsches Kraftwerk senken die CO2-Emissionen in einem geringeren Ausmaß als 100 Euro Invest im Kraftwerksprojekt in Brasilien.“ Man müsse schauen, wo sich mit dem Engagement am meisten ausrichten lasse.

Fernwärme und Windpark
Doch Andreas Helbigs Team blickt bereits eine Dekade voraus. „Bis 2020 wollen wir 80 Prozent unseres Stroms selbst produzieren. Und das überwiegend aus regenerativen Quellen“, kündigt Pijanka an.

Zuerst soll der Energieeinsatz eingeschränkt werden. Dazu dient etwa die Fernwärme, die konsequent ausgebaut wird. Sie wird in Kraft-Wärme-Kopplung hergestellt.

Die Wärme entsteht als Nebenprodukt des Stroms, ohne dass zusätzlich Gas oder Kohle verfeuert werden müssten. „Deshalb hat sie mit die beste Umweltbilanz aller Wärmeträger“, so der Pressesprecher. Geplant ist, ein Drittel des gesamten Kasseler Wärmebedarfs durch Fernwärme zu decken.

Den nächsten Schritt bildet der Ausbau der regenerativen Energien. Bereits heute betreiben die Kasseler ein Wasserkraftwerk, Biomasse-Heizkraftwerke, Photovoltaik-Anlagen und zwei Biogasanlagen. Acht weitere werden, so Pijanka, folgen. Die Kapazitäten der Wasserkraftanlage sollen verdoppelt und eine Strohpyrolyse-Anlage gebaut werden.

„Und wir wollen uns nicht zuletzt an einem Windpark beteiligen“, blickt Pijanka in die Zukunft.

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