Lars Pauly: „Ich freue mich darauf!“

Der neue Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen im Interview

Lars Pauly, neuer Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen. Foto: Mario Zgoll

Lars Pauly, neuer Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen. Foto: Mario Zgoll

Er ist 42 Jahre alt und ein Zahlenmensch mit Humor. Kindheit und Jugend verbrachte er in Badenhausen, einem 2000-Seelen-Ort im Harz, bevor er über Stuttgart, Singapur und Taiwan nach Kassel kam. Seit dem 1. September ist Lars Pauly Direktor der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen und damit zuständig für rund 500 Mitarbeiter. Jérôme sprach Mitte September mit dem neuen Kopf an der Spitze des Kasseler Mercedes-Hauses.

Jérôme: Mit 20 Jahren haben Sie bei Mercedes angefangen. Was hat Sie damals dazu bewogen?

Lars Pauly: Die Marke Mercedes-Benz – ich bin ein Autofetischist. Aber auch der duale Studiengang in Baden-Württemberg. Ich fand es reizvoll, neben dem Studium in einem Unternehmen tätig zu sein. Dies ist nicht nur finanziell attraktiv, es ermöglicht einem auch eine Reihe interessanter Praktika in verschiedenen Bereichen des Unternehmens.

Jérôme: Das duale Studium wird mitunter eher als Trend der letzten Jahre wahrgenommen.

Pauly: Ja, aber in Baden-Württemberg gibt es das schon seit Mitte der 70er Jahre. Es handelt sich um ein Modell, welches sowohl für Unternehmen wie zum Beispiel Daimler und Bosch, als auch für den jeweiligen BA-Absolventen sehr vielversprechend ist. Aus diesem Grund finden Sie in den Führungsriegen des gesamten Unternehmens viele „BA’ler“.

Jérôme: Was würden Sie von sich als Person sagen, was haben Sie sich seit ihren Anfängen bei Mercedes beibehalten?

Pauly: Mit Sicherheit meinen Humor. Etwas, das im aktuellen Wirtschaftsklima nicht immer einfach ist. Unsere Produkte verkaufen wir neben rationalen Kaufgründen wie Sicherheit, Qualität und Umweltverträglichkeit auch ganz klar mit Emotionen. Dazu ist es erforderlich, dass Sie mit Spaß und ganzem Herzen dabei sind.

Jérôme: Sie sind Betriebswirt. In welcher Funktion haben Sie bei Mercedes angefangen?

Pauly: Ich bin ein Zahlenmensch, habe in Stuttgart im Controlling angefangen und war zwischendurch auch mal Finanzchef einer Landesgesellschaft in Singapur. Ich arbeite sehr gerne mit Zahlen, aber nicht als Selbstzweck. Für mich ist wichtig, was hinter den Zahlen steht, sonst wird es schnell langweilig.

Jérôme: 1998 ging es nach Singapur. Das ist eine große Umstellung, gerade auch für das Privatleben, oder?

Pauly: Oftmals eine größere Herausforderung als die Aufgabe oder die andere Kultur ist die eigene Familiensituation. Ob Sie jetzt verheiratet sind oder in einer Partnerschaft leben – oder Kinder haben, Sie müssen berufliche und private Interessen bestmöglich vereinbaren, um sowohl die Zeit im Ausland, als auch die Rückkehr nach Deutschland erfolgreich zu gestalten. Der Umgang mit der neuen Kultur war für mich persönlich nicht allzu schwierig. Unsere Geschäftspartner in Asien arbeiten teilweise seit 40 Jahren mit uns zusammen, wodurch kulturelle Überraschungen oder Herausforderungen eher ausblieben.

Jérôme: Ist das Arbeiten im Ausland etwas, das Sie sich noch mal vorstellen können oder sagen Sie, jetzt möchte ich erst mal in Deutschland bleiben?

Pauly:
Jetzt möchte ich erst mal in Deutschland bleiben. Ich bin ganz bewusst zurückgekommen. Ich hätte auch noch in Asien bleiben können. Auch dort gab es diverse Optionen. Aber ich wollte ganz bewusst zurück nach Deutschland. Nach drei bis vier Jahren im Ausland bekommen Sie einen sehr guten Blick auf das Leben in Deutschland mit all seinen Vorzügen. Das fängt bereits mit der frischen Luft an!

Jérôme: Wie kam es denn dazu, dass Sie gesagt haben, nach Nordhessen geht’s?

Pauly: Zielsetzung war die konkrete Aufgabe. Ich habe nicht gesagt, es muss Nordhessen sein, wobei mir das sehr gelegen kommt, da mein Geburtsort nur hundert Kilometer weiter nördlich liegt.

Jérôme: Die große Umbauphase, in der sich Mercedes hier in Kassel gerade befindet, hat Ihr Vorgänger Niels Kowollik eingeleitet. Ist der jetzige Zeitpunkt ein guter für Ihren Einstieg?

Pauly: In einem Großkonzern ist es relativ häufig der Fall, dass Führungskräfte nach fünf bis sechs Jahren die Aufgabe wechseln. Ich denke, der Zeitpunkt ist für mich eher gut als schlecht. Die Überlegungen, hier neu zu bauen, haben vor vielen Jahren begonnen. Der Nutzfahrzeug-Betrieb ist fertig geplant, das passt alles. Ich habe noch die Möglichkeit, auf den Pkw-Betrieb in seiner Ausgestaltung einzuwirken. Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht ein sehr gut gewählter Zeitpunkt.

Jérôme: Gibt es für den Pkw-Betrieb schon konkrete Pläne?

Pauly: Hier werden wir Anfang nächsten Jahres ins Detail gehen. Das ist ja für Mercedes-Benz nicht das erste Projekt in der Größenordnung, es gibt ziemlich viele Beispiele aus anderen Regionen Deutschlands mit einem Fundus, auf den man aufbauen kann.

Jérôme: Wenn man neu baut, dann will man ja das Neuste und Beste.

Pauly: Natürlich, das würden Sie ja genauso machen. Energetische Themen spielen zum Beispiel eine Rolle, aber auch veränderte Kundenerwartungen. In einem modernen Betrieb ist zum Beispiel der Einsatz von Multimedia-Applikationen ein absolutes Muss. Unsere Kunden der neuen Kompaktfahrzeuge wie zum Beispiel der A-Klasse werden oft als Generation „Always-on“ tituliert. Da ist es ganz selbstverständlich, zu uns in den Betrieb zu kommen und mit Smartphone oder Tablet ins Netz zu können. Auch die Fahrzeugpräsentation wird sich im Laufe der Zeit ändern. Auch hier ist die A-Klasse ein gutes Beispiel. Es wird uns nicht möglich sein, alle mittlerweile verfügbaren Individualisierungsmöglichkeiten im Showroom darzustellen. Das heißt, Sie müssen Möglichkeiten finden, diese mit neuen Medien zu vermitteln. Das geht natürlich deutlich weiter als früher, als es 20 Lackmuster auf Tankdeckeln gab und noch ein paar Stoffmuster dazu – das reicht heute nicht mehr.

Jérôme: Gibt es Ideen, die Sie aus Ihrer Auslandserfahrung schöpfen können?

Pauly: Bei der Nutzung neuer Medien definitiv ja. Bei der architektonischen Gestaltung des Autohauses eher weniger. Das ist ein Thema, in dem Europa definitiv weiter ist als Asien. In Taiwan konnte unser durchschnittlicher Betrieb sechs bis sieben Fahrzeuge ausstellen. Das war also eher kompakt.

Jérôme: Was ändert sich durch den Wechsel hierher für Sie persönlich?

Pauly: Dass ich gewisse Hobbys wieder ausüben kann.

Jérôme: Die da wären?

Pauly: Ich habe in Taiwan Tennis gespielt und bin Mountainbike gefahren, aber das war bei teilweise 38 Grad Lufttemperatur und mehr als 90 Prozent Luftfeuchtigkeit nicht immer einfach. Ich kann hier in Deutschland aber auch mehr mit meiner Familie unternehmen. Gerade am Wochenende gibt es deutlich mehr Möglichkeiten.

Jérôme: Wo ändern sich die beruflichen Parameter?

Pauly: Ich habe vorher den Vertrieb in Taiwan für PKW und Nutzfahrzeuge geleitet, das ist natürlich deutlich weniger komplex als das, was ich hier in Zukunft verantworte. In der Niederlassung Kassel/Göttingen kommt eine große Werkstatt und ein Ersatzteilgeschäft dazu. Und neue Marken wie zum Beispiel smart und Fuso. Diese Komplexität ist eine Herausforderung. Und ich habe den Anspruch, alle Mitarbeiter persönlich zu kennen. Ich versuche nach und nach alle Kollegen kennenzulernen und bin dabei im Moment um jeden froh, der ein Namensschild trägt.

Jérôme: Es sind ja insgesamt auch um die 500.

Pauly: Ja, deshalb geht das auch nicht von heute auf morgen. Aber es sollte das Ziel sein, sagen wir’s mal so.

Jérôme: Wie ist Ihr Blick auf Kassel?

Pauly: Ich bin aufgrund der Tatsache, dass ich oft von Stuttgart in den Harz gependelt bin, sehr oft durch Kassel gefahren. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass ich Göttingen als einen unserer Standorte deutlich besser kenne. Der erste Eindruck war sehr positiv. Sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Kunden oder anderen Partnern habe ich mich sehr wohlwollend aufgenommen gefühlt. Ich freue mich darauf.

Teilen, drucken, mailen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.