Mehr Vielfalt und besseres Bier

Fünf Jahre Unikat Crowdfunding: zahlreiche Projekte in der Region ermöglicht
Vor fünf Jahren riefen die Wirtschaftsförderung Region Kassel und die Universität Kassel die regionale Plattform Unikat Crowdfunding ins Leben. Eine rund 2.200 Tage zählende Geschichte, in der durchaus nennenswerte Erfolge erzielt werden konnten. Mehr als 870.000 Euro wurden bislang für regionale Projekte zusammengetragen, bereitgestellt von knapp 8.000 Unterstützern. Ihren Höhepunkt erreicht die Förderbereitschaft alljährlich zum Unikat-Ideenwettbewerb. 2019 stand er unter dem Titel „Sozial ist sexy!“.

Die Gründer der Braumanufaktur Steckenpferd: Johannes Alt und Erik Schäfer (v.l.). Foto: Harry Soremski/Magazin 34/Braumanufaktur Steckenpferd

Die Gründer der Braumanufaktur Steckenpferd: Johannes Alt und Erik Schäfer (v.l.). Foto: Harry Soremski/Magazin 34/Braumanufaktur Steckenpferd

„Im Jahr 2012 war Crowdfunding noch ein recht neues Phänomen“, blickt Michael Wieners von der Wirtschaftsförderung Region Kassel (WFG) zurück. Als Projektleiter betreut er Unikat Crowdfunding seitens der WFG von Anfang an. „Kickstarter war als Crowdfunding-Plattform im amerikanischen Raum schon einigermaßen etabliert, aber in Deutschland war das noch nicht gängig und schon gar nicht auf regionaler Ebene.“ Die Uni sei damals auf die WFG zugekommen und habe eine regionale Subplattform angeregt. 2014 sei man damit schließlich gestartet. „Eine wegweisende Entscheidung, denn wir waren die erste regionale Plattform im universitären Umfeld in Deutschland“, so Wieners.

Viele Projekte gefördert
Eine hohe Akzeptanz genießt Unikat Crowdfunding bei der Förderung technischer Produktinnovationen, vor allem aber im kreativen und sozialen Bereich. Das belegen die vielen Projekte, die bereits gefördert wurden. Ob Stop-Motion-Film, Spielraum oder vertikaler Garten, ob sozialer Gegenstandsverleih, Bunkerpilz oder Software für solidarische Landwirtschaft: Diese und viele andere Projekte landeten auf der Unikat-Plattform. So wie die Braumanufaktur Steckenpferd, die 2015 von den beiden Studenten Erik Schäfer (31) und Johannes Alt (34) gegründet wurde.

Braumanufaktur Steckenpferd
„Ursprünglich wollten wir nur hobbymäßig brauen“, erzählt Erik Schäfer, doch mit der Zeit entstand Nachfrage. So bauten sie mit dem Know-how von Johannes Alt kurzerhand eine größere Brauanlage in ihrer WG-Küche zusammen. Weil ihr Produkt gut und gefragt war, gingen sie eines Tages zur Gründungsberatung der Uni Kassel. „Dort hat man uns empfohlen, am Unikat-Ideenwettbewerb teilzunehmen“, sagt Erik Schäfer. Das taten sie.

Das Viertel beleben
Ihr eingereichtes Konzept war gleich auf den heutigen Standort ihres Unternehmens, eine ehemalige Metzgerei in der Kastenalsgasse zugeschnitten. Die Gasse liegt in einer, sagen wir ruhigeren Gegend im Herzen Kassels. „Wenn wir brauen, wollten wir auch einen Ausschank machen, aber nicht einfach eine Kneipe eröffnen. Unser Ziel war es, eine kulturelle Plattform zu bieten und das Viertel zwischen Innenstadt und Uni wieder ein bisschen zu beleben. Im Grunde wollten wir mehr Vielfalt und besseres Bier.“

Galerieraum inbegriffen
Das Gesamtkonzept mit Galerieraum war gleichzeitig die Meisterschülerarbeit Erik Schäfers, der damals bildende Kunst studierte. Der Galerieraum wird heute gerne von Studenten, Profs und Künstlern für Ausstellungen genutzt, deren Exponate das stilbewusste Publikum der Braumanufaktur Steckenpferd auch gerne betrachtet. Und während Erik Schäfer nun an seinem Master in Visueller Kommunikation und Johannes Alt an seinem Master in Regenerativen Energien arbeiten, b(r)auen sie ihr Geschäft kontinuierlich aus. Inzwischen sind sie unter anderem Pächter der Caricatura Bar am Bahnhof und mit ihrem Produkt auf vielen großen Veranstaltungen, wie jüngst dem Zissel, vertreten.

Saatgutkonfetti
Saatgutkonfetti ist ein weiteres Projekt, dass durch Unikat Crowdfunding ermöglicht wurde. Die Gewinner des Ideenwettbewerbs „Sozial ist sexy!“ haben sich ebenfalls Vielfalt auf die Fahnen geschrieben und wollen diese nicht nur im kulturellen, sondern auch im botanischen Bereich fördern. Für Bienen und andere Insekten schaffen sie bunte Blumenwiesen mit heimischen Pflanzensamen, die sie auf originelle Weise verpacken: in Konfetti.

Mit statt gegen die Umwelt
„Ich komme ursprünglich aus Köln“, sagt Saatgutkonfetti-Mitinitiator Philip Weyer. Riesige Mengen an Müll entstünden dort durch Konfetti und das von seiner damaligen Kommilitonin Hannah Hartmann und ihm entwickelte Produkt wirke genau dem entgegen. „Saatgutkonfetti baut sich rückstandslos ab. Was bleibt sind heimische Samen, aus denen Pflanzen wachsen, die Insekten eine Heimat und Nahrungsquelle bieten.“ Immer wieder ärgert sich der Produktdesignstudent über die Stadtreinigung, die auf Grünflächen wichtigen Wildwuchs entfernt. Mit Saatgutkonfetti könne er nun möglichst viele Leute animieren, wilde Samen zu verteilen.

Ein wenig frisches Grün
„Jeder kann für sich entscheiden, wo er oder sie das Konfetti wirft“, sagt Philip Weyer. „Nur in Naturschutzgebieten sollte bitte darauf verzichtet werden.“ Ungepflegte Verkehrsinseln und brachliegende Straßenränder könnten hingegen schon ein wenig frisches Grün vertragen. Gedacht sei das Saatgutkonfetti aber vor allem für Veranstaltungen wie Festivals, Hochzeiten oder eben den Karneval. „Hier können Menschen Spaß haben und damit gleichzeitig was Gutes tun“, sagt Philip Weyer.

Produktion in Fabrik für Allerlei
Unikat Crowdfunding habe das alles erst möglich gemacht und aus einer Idee ein Produkt werden lassen, dass man nun auch über den Handel anbieten könne. Mehr als 27.000 Euro waren im Ideenwettbewerb für das Projekt zusammengekommen, die dem heutigen Führungstrio Christoph Trimborn (29), Katja Filippenko (32) und Philip Weyer (30) den weiteren Ausbau ermöglichen. In der Kasseler Tischbeinstraße haben Sie neben der Fabrik für Allerlei (ein Projekt eines befreundeten Kollektivs), das Raum für Ausstellungen und andere Events gibt, ihre Produktion eingerichtet.

Ideen und Projekte anschieben
Ob Braumanufaktur Steckenpferd, Saatgutkonfetti oder die vielen anderen Projekte, die durch Unikat realisiert werden konnten: Michael Wieners von der WFG ist froh über die Chancen, die Crowdfunding für viele biete. „Wir sehen es als hervorragende Möglichkeit, gute Ideen und Projekte mit anzuschieben und Unternehmen, die Anschubfinanzierungen benötigen, unter die Arme zu greifen“, sagt er. Wenn ein Projekt erfolgreich verlaufe, gehe es nahtlos in die klassischen Wirtschaftsförderungsthemen über: „Dann helfen wir, einen Standort zu finden, Kooperationen zu bilden, vermitteln Leistungen, stellen Kontakte zu Kunden und Zulieferern her oder begleiten bei Bankgesprächen“, so Wieners.

Weitere Infos:
https://braumanufaktur-steckenpferd.de
http://saatgutkonfetti.de
https://www.startnext.com/pages/unikat

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