„Never stand still“

Wikus feierte 60. Geburtstag und weihte neue Firmenzentrale ein
Keine 30 Jahre war Wilhelm Kullmann alt, als er gemeinsam mit seinem Bruder in einem Stall in Spangenberg die heutige Firma Wikus gründete. Der Weltmarktführer beim Sägen von Metall blickte im Oktober auf sein 60-jähriges Bestehen zurück und feierte mit vielen Gästen dabei auch die Eröffnung der neuen Firmenzentrale WI.com.

WI.com heißt die neue Firmenzentrale, die Wikus zum 60. Geburtstag offiziell eröffnete. Die Architektur symbolisiert Sägebänder und Sägezähne. Foto: Wikus

Erst muss gefeiert werden, bevor in einem Gebäude so richtig losgearbeitet werden kann“, zitierte Moderatorin Julia Westlake den aktuellen Wikus-Chef Dr. Jörg H. Kullmann. Zu Hunderten waren die Gäste der Einladung nach Spangenberg gefolgt, um genau das zu tun. Begrüßt wurden nicht nur Gratulanten und Festredner aus der hiesigen Politik und Wirtschaft, auch internationaler Besuch gab sich die Ehre. Unter anderem hatte jeder der acht internationalen Wikus-Standorte eine Delegation entsandt.

Es hat alles einen Anfang
Jörg Kullmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Wikus, zeigte sich glücklich über die vielen Gäste, über die Entwicklung des Unternehmens bis heute und vor allem auch darüber, dass der Firmengründer Wilhelm Kullmann dieser besonderen Feier beiwohnen konnte. „Es hat alles einen Anfang und diesen Anfang hast Du gemacht, lieber Vater“, richtete er das Wort an ihn. „Wir sind alle froh, Dich mit fast 90 Jahren hier an der Seite unserer Mutter begrüßen zu dürfen.“ Ohne den Mut seines Vaters, ohne dessen innere Stärke und seinen Willen „to be the best and to get the best“ hätte das Unternehmen nie diese Dimensionen annehmen können.

Wikus-Familienclub
Wilhelm Kullmann habe immer ein Händchen dafür gehabt, die richtigen Menschen zu finden, die diesen Weg mit ihm gegangen seien. Viele dieser Menschen seien bis heute Teil der Unternehmung, gar wichtige Meilensteine und nach wie vor Mitglieder im „Wikus-Familienclub“, erkärte Jörg Kullmann. Es sei ein Familienunternehmen, werde durch die Familie zusammengehalten und auch die dritte Generation wolle Verantwortung übernehmen. Er hoffe, dass das Wikus, das sein Vater damals gegründet habe, heute so ist, wie er es sich vorgestellt habe.
Immer fragen, was morgen ist

Was Wikus besonders mache, fragte Moderatorin Julia Westlake. Kullmanns Antwort: „Never stand still.“ Das sei mal ein Jahresmotto gewesen, man sei aber nie so richtig davon losgekommen. „Wir fragen uns immer, wie es morgen sein könnte und nicht, wie es heute ist.“ Denn wie es heute ist, beruhe auf den Entscheidungen von gestern. „Selbstzufriedenheit geht auch“, so Jörg Kullmann, „dann hätten wir aber aufgehört, unsere Identität zu leben.“ So hoffe er, dass Wikus auch in weiteren 60 Jahren bestehe und Produkte anbiete, mit denen man aus einem Teil zwei machen könne.

Lebensader von Spangenberg
Was ein Unternehmen dieser Größenordnung, rund 750 Arbeitsplätze bietet Wikus, für eine 6.000-Einwohner-Stadt wie Spangenberg bedeutet, schilderte Bürgermeister Peter Tigges: „Ihr seid die Lebensader von Spangenberg.“ Wenn man bedenke, dass hinter den vielen Arbeitsplätzen jeweils Menschen und Familien stünden, sei das gar nicht hoch genug zu bewerten.

Innovationskraft bewahren
60 Jahre Wikus bedeuteten auch 60 Jahre Mitarbeit an der Entwicklung der Region, erklärte Winfried Becker, Landrat des Schwam-Eder-Kreises. Dank Unternehmen wie Wikus gehe es dem Kreis gut, die Arbeitslosenquote liege bei 3,1 Prozent. Er wünschte dem Unternehmen, dass es seine Innovationskraft bewahren könne, um auch in Zukunft so erfolgreich zu sein.

Ein besonderes Vorbild
„Dieses Familienunternehmen ist ein Vorbild, wie es nur wenige in dieser Form geben kann“, lobte IHK-Präsident Jörg-Ludwig Jordan. „In 70 Ländern aktiv zu sein, dass ist eine herausragende Leistung“, unterstrich er. Er selbst kenne die Kullmanns schon lange. So sei er zwar auch in offizieller Funktion, vor allem aber als Freund der Familie zu dieser Feier gekommen. „Mit den Produkten macht Ihr aus einem Teil zwei, aber als Familie werdet Ihr immer ein starkes Teil sein“, so Jordan.

Früh nach Europa orientiert
Wie Wikus den Ortseingang Spangenbergs präge und sich dieser in den 30 Jahren, in denen er diesen regelmäßig passiere verändert habe, beschrieb Mark Weinmeister, Staatssekretär in der Hessischen Staatskanzlei. Auch er lobte den Unternehmergeist und den Familiensinn der „Kullmänner“: „Die Familie zusammenhalten, innovativ sein, die Belegschaft ein Stück weit zur Familie zu machen, um erfolgreich zu sein – das habt Ihr in vorbildlicher Weise gemacht.“ Gegründet im Zonenrandgebiet, 30 Kilometer vom Ende der freien Welt entfernt, habe sich Wikus früh in Richtung Europa orientiert und bereits 1970 ausländische Märkte bedient. „Lieber Herr Kullmann“, richtete er sich an den Senior, „was Sie geschafft haben ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte und als Land profitieren wir auch vom Wissen der Firma Wikus.“

Prozesse reorganisiert
Als besonderes Beispiel von Versatilität, die einem heute abverlangt werde, wenn man Unternehmer sein und seine unternehmerischen Ziele umsetzen wolle, beschrieb Aufsichtsratsvorsitzender Prof. h.c. Ludwig Georg Braun die Maßnahmen, die im Rahmen des Neubaus getroffen worden seien. „Eine neue Fabrik mit neuen und anderen Maschinen, als sie noch vor zehn oder 15 Jahren die Produkte herstellten, die Wikus groß gemacht haben“, sei hier entstanden. Allein mit den Maschinen sei es aber nicht getan. „Erforderlich war auch eine Reorganisation der Prozesse in Parallelität zu dem, was die Baumeister geschaffen haben. Und das bei laufendem Betrieb“, unterstrich er.

Identitätsstiftend sei die neue Fabrik, die man für diese Feier temporär zweckentfremde. Für diejenigen, die hier wirken, aber auch als neuer Eingang in die Stadt hinein. Wer nach Spangenberg komme, müsse einfach sagen: Wow, was ist das für ein liebenswerter Ort mit einem Schloss, dass über die Stadt schaut bis hin zu der modernen Industrie-Architektur.

Völlig neues Konzept
Dass diese einiges zu bieten hat, erläuterte Michael Möller, Geschäftsführer der Wikus Unternehmensgruppe für den Bereich Digitalisierung. „Effizienz und Güte ist der Leitsatz, unter dem wir unsere Produkte herstellen und auch hier ist es unser Leitsatz gewesen“, sagte er. Den Einsatz von Technik habe man auf ein Minimum reduzieren wollen, arbeite so zum Beispiel mit Flüssigkeit in den Decken, die mit der Sekundärenergie aus der Produktion die Räume im Winter heize und im Sommer kühle. Auf eine aktive Klimaanlage könne man so verzichten. Und auch die Büroräume setzten neue Maßstäbe. Für den administrativen Bereich habe man eine Umgebung geschaffen, in der man auch den Anforderungen der Zukunft gerecht werde. „Abteilungsdenken wird es in dieser Form in Zukunft nicht mehr geben“, erläuterte Möller. Stattdessen habe man unterschiedliche Arbeitsumfelder geschaffen.

Traum in Erfüllung gegangen
„Man kann schon sagen, dass für mich persönlich ein Traum in Erfüllung gegangen ist“, freute sich Jörg Kullmann über das neue Gebäude. Seine Entstehung in dieser Form war keine Einzelentscheidung, auch die dritte Generation sei im Boot gewesen. „So sollte es aussehen und so ist es geworden.“

Wikus-Firmengeschichte

  • 1958 Wilhelm H. Kullmann gründet die Firma WIKUS. Produziert werden Metallbandsägen aus Werkzeugstahl im Spangenberger „Stall von Bethlehem“. Belegschaft: Wilhelm Kullmann und sein Bruder.
  • 1960 Bau des ersten Firmengebäudes.
  • 1970 Gründung WIKUS IBERICA / Spanien Erschließung neuer Märkte in Südamerika.
  • 1983 25jähriges Jubiläum. Belegschaft: 132 Mitarbeiter
  • 1988 WIKUS wird Familien-KG, Übergabe der Geschäftsleitung an die Söhne Rolf und Dr. Jörg H. Kullmann. WIKUS expandiert weiter in neue Gebäude
  • 1994 WIKUS wird ausgezeichnet und erhält als erster europäischer Sägebandhersteller das Zertifika für das Qualitätssicherungssystem nach DIN EN ISO 9001.
  • 1995 40-jähriges Betriebsjubiläum, der neue Verwaltungstrakt mit Versandabteilung wird eingeweiht. Belegschaft: 342 Mitarbeiter
  • 1999 Eine neue Generation Sägebänder: Mit Hartmetall-Sägebändern setzt WIKUS neue Maßstäbe. In der Fertigungshalle mit dem Namen des 1. Hartmetall-Sägebandes FUTURA entstehen die umfangreichsten Fertigungslinien im Sägemarkt.
  • 1999 Gründung des Tochterunternehmens WIKUS SAW / USA
  • 2003 WIKUS ist der größte Sägebandhersteller in Europa mit über 400 Beschäftigten.
  • Entwickelt und produziert werden Sägebänder mit Schneidstoffen aus Werkzeugstahl, Bimetall, Hartmetall und Diamant
  • 2005 Erweiterung der FUTURA-Halle um 4500 m² Produktionsfläche
  • 2006 Rolf Kullmann, der kaufmännische Geschäftsführer der Firma, verstirbt im Alter von 49 Jahren.
  • 2007 Dr. Jörg H. Kullmann wird Geschäftsführender Gesellschafter der WIKUS-Sägenfabrik. 2. Platz bei dem Wettbewerb „Hessen Champions“ für die Kategorie „Job-Motor“
  • 2008 Neubau der Halle 9 mit 7000 m² Produktionsfläche
  • 2010 Gründung WIKUS Nordic / Schweden
    Gründung WIKUS Saw Technology / Shanghai
  • 2012 Gründung WIKUS France / Frankreich
    Gründung WIKUS Austria / Österreich
  • 2014 Gründung WIKUS India / Indien
  • 2016 Neubau der Halle 2 mit insgesamt 5000 m² Produktionsfläche
  • 2017 Inbetriebnahme der neuen Inline-Fertigung mit einer auf dem Sägemarkt einzigartigen Prozessverkettung.
  • 2018 Gründung WIKUS Kanada
    Inbetriebnahme weiterer Inline- Fertigungslinien
    Einzug in die neue Firmenzentrale WI.com
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