Umschalten auf Zukunft

Shift verlängert den Lebenszyklus

Im Wettlauf um die zukunftsfähigste Technik auf dem Smartphone-Markt hat die Shift GmbH aus Wabern-Falkenberg neue Wege beschritten. Seine Standortfaktoren für das digitale Hessen sieht das noch junge Unternehmen in einer modernen, stiftungsähnlichen Firmenstruktur und in einer Hardware, die der Wegwerfmentalität den Kampf ansagt.

Samuel und Carsten Waldeck (v.l.) haben mit ihrem Start-Up schon einen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Foto: Shift GmbH

Samuel und Carsten Waldeck (v.l.) haben mit ihrem Start-Up schon einen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Foto: Shift GmbH

Leicht zu finden ist die Shift GmbH im 750 Seelen zählenden Falkenberg. Leicht zu erreichen ist sie nicht. Am Ende der engen Sackgasse Am Gänsemarkt 6 stoßen ungeübte Autofahrer rasch an die Grenzen ihres Rangiergeschicks, respektive ans Eisentor oder die Vegetation in der alten Berkenkamp-Hofreite, in der sich die Gebrüder Carsten und Samuel Waldeck 2014 mit ihrem Start-Up-Unternehmen niedergelassen haben. Schwer vorstellbar, dass dort ein reger Lieferwagenverkehr die Unternehmensumsätze ankurbeln könnte.

Nachhaltig, fair, highend
Und doch geht es mit der Shift GmbH, die statt eines „i“ einen nach oben gerichteten Pfeil im Logo trägt, steil bergauf. Richtung und Gesellschaftsform sind eindeutig markiert. Womit sich der Eigenprofit-orientierte Betriebswirtschaftler jedoch schwertun könnte, ist das Finanzierungsmodell. „Wir entnehmen der Firma keine Gewinne“, versichert ihr CEO, Samuel Waldeck. Die Rahmenbedingungen dafür solle eine Art Stiftung sicherstellen. An einer passenden Satzung wird noch gefeilt.

Sustainable Technologies
Der Kapitalgrundstock indes steht fest: Zwei innovationsfreudige Chefs, 21 nicht minder pfiffige Mitarbeitende und ein Produkt, dessen Lebensdauer jeder Anwender mit simplen Handgriffen selbst verlängern kann. Nach Worten von Samuel Waldeck sind zwei Jahre währende Produktzyklen keine Wertschätzung. Der diplomierte Gestalter für audiovisuelle Medien setzt auf „sustainable technologies“, auf nachhaltige Technologien. Wegwerfmentalität ade! Er nimmt das neueste „Shift 6m“ vom Tisch und zeigt, was er mit nachhaltig, fair und highend meint. Mit wenigen Handgriffen zerlegt er das Smartphone in Hauptplatine, Akku, Kamera, Speicherbaustein, Sim-Card und Gehäuse. „Das kann jeder Anwender ohne Vorkenntnisse oder Spezialwerkzeuge selbst machen.“

80 Prozent des Elektroschrotts einsparen
Die Frage, warum er das tun soll, trifft den Kern der Firmen-Philosophie. Shift-Phones sind reparabel und erweiterbar. Liefert beispielsweise der Akku nicht mehr die nötige Kapazität oder pixelt die Kamera nicht mehr auf dem höchsten Stand der Auflösung, kann der User bei seinem „Shift 6m“ die jeweiligen Baugruppen einfach nachordern und das Handy selbst upgraden. Die im Gerät verbauten seltenen Erden, Edelmetalle, Kunst- und Rohstoffe verbleiben im Gebrauch, statt umweltbelastend in der Mülltonne zu landen. Zirka 80 Prozent des Elektroschrotts lassen sich einsparen, haben die Waldecks errechnet.

Innovation nicht nur in Berlin-Mitte
Bei der Projektierung der im eigenen Hause entworfenen Hard- und Software ist vor allem Carsten Waldeck als studierter Kommunikationsdesigner treibende Kraft und Ideengeber, sagt sein Bruder. Nach der Schule konnte es für die Waldecks nicht schnell genug von daheim fort gehen. Raus in die weite Welt! Als Sturm und Drang vorbei waren, hörten sie wieder den Ruf der Heimat. „Innovation funktioniert doch nicht nur in Berlin-Mitte“, sagten sich die beiden und gingen an ihrem Geburtsort mit Shift an den Start.

Waldspaziergänge und gemeinsame Essen
Für die Nordhessen ein Glücksfall. Die Brüder Waldeck legen großen Wert auf eine ausgeglichene „Work Life Balance“, und so profitieren auch ihre Mitarbeitenden von Waldspaziergängen in der Mittagspause, vom Auftanken der Seele am Fuße des Schlossberges und vom gemeinsamen Essen jeden Freitag mit der Belegschaft. Von der Teppichetage über Forschung & Entwicklung bis zur Verkaufsabteilung pflegt die Shift GmbH eine familiäre Firmenkultur. Selbst die Chinesen, die für die Shift-Systeme die Bauteile zu auskömmlichen Löhnen herstellen, rechnen die Waldecks eher zu ihren Freunden als zu ihren Partnern.

Digitalisierung der Zukunft
Das von Respekt und Fairness geprägte Geschäftsmodell der Shift GmbH hat beste Chancen für eine langfristige Marktdurchsetzung. Das belegt auch eine besondere Auszeichnung: Mit Beginn dieses Jahres hat Shift den „Next Economy Award 2019“ in der Kategorie „Resources“ gewonnen. Der Next Economy Award prämiert Startups, die auf Nachhaltigkeit und Green Economy setzen. Die Düsseldorfer Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis verschafft damit jenen Startups frischen Rückenwind, deren innovative Geschäftsmodelle soziale und ökologische Verbesserungen anstreben.

Der nächste Schritt solcher Evolution in Falkenberg ist das „Shift mu“. Es vereint Handy und Tablet in einem System. Und es kommt gänzlich ohne Cloud-Dienste aus – mehr Datensicherheit gibt es derzeit nicht. „Das verstehen wir unter ‚Digitalisierung der Zukunft‘“, schaut Samuel Waldeck voraus.

Mittelfristig neue Räume
Einen anderen Schritt Richtung Morgen geht die Shift GmbH mittelfristig bezüglich ihrer Erreichbarkeit. Am Gänsemarkt 1 haben die Waldecks ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus angekauft, das neben einem dörflichen Einkaufsladen weitere Firmenräume beherbergen soll. Es steht gleich an der Ecke zur Landesstraße 3149 – direkt am verkehrlich gut ausgebauten und leicht zu befahrenden Ortsdurchgang Falkenbergs.

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