Weine, auch wenn der Regen fällt – Böddiger Berg 2010 ist kein schlechter Jahrgang

Guter Riecher gefragt: Fördervereinsvorsitzender Klaus Stiegel weiß, worauf es ankommt. Foto: Mario Zgoll

Guter Riecher gefragt: Fördervereinsvorsitzender Klaus Stiegel weiß, worauf es ankommt. Foto: Mario Zgoll

Klaus Stiegel schwenkt seine Hand dicht unter der Nase. In ihr ruht eine Traube. Es ist kalt an diesem Morgen und leichter Nieselregen fällt durch die feuchte Luft. „In diesem Jahr kommt es auf einen guten Riecher an“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Böddiger Berg. Was den Trauben hier am nördlichsten Weinberg des Rheingaus noch die nötige Süße verleihen kann, ist die Edelfäule. Bis zur verdorbenen Beere ist das oftmals nur ein schmaler Grat, dessen Überschreitung am Geruch feststellbar sei.

Geringere Erträge
Es ist der 20. Oktober und etwa 30 ehrenamtliche Helfer haben sich am Böddiger Berg eingefunden. „Bei der Begrüßung habe ich mich bedankt, dass sie überhaupt gekommen sind“, sagt Stiegel mit Blick auf das regnerische Wetter. Noch einige mehr hätten sich im Vorfeld gemeldet, man habe ihnen aber auf Grund des geringen Traubenbehangs abgesagt. „Wir rechnen damit, dass wir nur 50 bis 60 Prozent der Vorjahreserträge einfahren werden.“

Aufgrund des strengen Winters und des kühlen Frühjahrs sei der Austrieb der Pflanzen gebremst worden, sodass sich keine oder zu späte Traubenansätze gebildet hätten, erklärt Stiegel. Als die Trauben dann im August und September Sonne gebraucht hätten, habe auch diese gefehlt. „Wir sind deshalb das größtmögliche Wetterrisiko eingegangen und haben mit der Lese bis heute gewartet, um noch möglichst viel Sonne mitzunehmen“, sagt er. Jetzt müsse man aber zur Tat schreiten, „sonst haben wir Eiswein“. 70 Grad Öchsle erwarte man für diesen Jahrgang, zehn Grad unter Durchschnitt.

Qualität der Trauben „hervorragend“
Anfang November gibt er am Telefon Entwarnung: „Der Fruchtzuckergehalt war mit 74 Grad Öchsle wesentlich besser als erwartet.“ Aus rund 3300 Kilo Rebgut hat man 2300 Liter Most keltern können. „Wir können also trotz der wenig glücklichen Umstände, die wir hatten, 3000 bis 3200 Flaschen Wein mit sehr guter Qualität gewinnen“, freut er sich. Die Qualität der Trauben habe der Kellermeister des Staatsweingutes Kloster Eberbach als „hervorragend“ eingestuft. Ihr Zustand sei deutlich besser gewesen als der der Reben, die im Kerngebiet des Rheingaus geerntet wurden.

Vorfreude mit früherem Jahrgang steigern
Bis zur Auslieferung des Böddiger Bergs 2010 im April/Mai darf man nun gespannt auf den neuen Jahrgang sein, von dem es diesmal keinen Sekt oder Edelbrand geben wird. Bis dahin sind noch einige Flaschen der Jahrgänge 2008 und 2009 zu haben.

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