„Wir starten durch, aber wir fliegen auf Sicht“

Flughafen Kassel-Calden feierlich eröffnet

Sten winkt den Airbus A 319 ein. Der Vaters des Fünfjährigen ist Fluglotse am neuen Kasseler Airport. Foto: Bernd Schoelzchen

Sten winkt den Airbus A 319 ein. Der Vaters des Fünfjährigen ist Fluglotse am neuen Kasseler Airport. Foto: Bernd Schoelzchen

18 Minuten brauchte der Airbus A 319 von Frankfurt nach Kassel. Claus Peter Müller-von der Grün, der durch das Programm führte, zog Rückschlüsse auf die Reisegeschwindigkeit: 850 Kilometer, also etwa die Entfernung von Kassel nach Nizza, seien das in der Stunde. Dann setzte die Maschine auf der 2.500 Meter langen Landebahn auf. Beäugt von frierenden Zuschauermassen hinter den Absperrungen, ließ sich der Airbus von zwei Fahrzeugen der Flughafenfeuerwehr in Empfang nehmen und von dem fünfjährigen Sten, Sohn eines Fluglotsen, einwinken. Der neue Flughafen Kassel-Calden war eröffnet.

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Polit-Promis und Journalisten entstiegen dem Airbus, allen voran der hessische Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen GmbH Kassel, Dr. Thomas Schäfer. Die Flughafen-Geschäftsführer Muller, Hedderich, Ries und Spengler nahmen sie in Empfang und geleiteten sie ins beheizte Festzelt, wohin auch die anderen Eröffnungsgäste dankbar folgten.

„Wir haben fertig“
Er freue sich riesig, erklärte Jörg Ries, und wie sollte es auch anderes sein? „Wir haben fertig“, zog er in seiner Ansprache einen Schlussstrich unter die Anstrengungen der zurückliegenden Monate und Jahre. „Es ist geschafft: Wir haben den uns übertragenen Auftrag, den Ausbau des Verkehrslandeplatzes Kassel-Calden zu einem Verkehrsflughafen, pünktlich und unter Einhaltung der Kosten abgeschlossen.“ Tatsächlich war es gelungen, den Rahmen von 271 Millionen Euro nicht zu sprengen, den man nach zunächst veranschlagten 151 Millionen Euro festgesetzt hatte.

Gegenstand des Unternehmens
Flughafen-Geschäftsführer Jörg Ries. Foto: Bernd SchoelzchenIn seiner Rede ließ Ries die Geschichte des Flughafens Revue passieren, die 1936 mit der Gründung der Flughafengesellschaft mbH Kassel-Waldau begann. „Interessant für uns heute ist der damals eingetragene Gegenstand des Unternehmens“, erläuterte Ries und zitierte aus dem Gesellschaftsvertrag: „Ausschließliche und unmittelbare Förderung des öffentlichen Luftverkehrs durch Ausbau und Betrieb des Flughafens Kassel-Waldau. Das Unternehmen erzielt keinen Gewinn.“

Hauptsächlich nordhessische Bauunternehmen seien mit dem Ausbau am heutigen Standort Calden beauftragt worden. „Für diese Region wahrlich erfreulich“, erklärte Ries. Die Unternehmen hätten es geschafft, die heutige Eröffnung zu ermöglichen und er, Ries, ziehe seinen Hut vor dieser Leistung.

Kein Mangel an Interesse
Ries dankte den vielen Fürsprechern und Akteuren, die den Flughafenausbau möglich gemacht hatten und freute sich, zahlreiche von ihnen als Eröffnungsgäste begrüßen zu können. An Interesse am neuen Flughafen mangele es nicht: „So belegt zum Beispiel die Anwesenheit des Volkswagen-Chefrepräsentanten in China, Dr. Fischer mit Delegation, der Generalkonsule der Volksrepublik China und der Türkei, exemplarisch die Erwartungen der regionalen Wirtschaft an den Flughafen als internationalen Verkehrsknotenpunkt mit wachsender Bedeutung für die wirtschaftsnahe Infrastruktur.“ Auch hocherfreut nehme man die Anwesenheit verschiedener Repräsentanten aus der Reiseverkehrswirtschaft zur Kenntnis.

„Brauchen keine Häme“
Ministerpräsident Volker Bouffier. Foto: Bernd SchoelzchenFür das Land Hessen, mit 68 Prozent der größte Anteilseigner am Flughafen, sprach Ministerpräsident Volker Bouffier. Ganz Hessen nehme heute einen besonderen Tag wahr. „Ein Tag, an dem wir die Weichen stellen für eine erfolgreiche Zukunft einer ganzen Region.“ Der Ministerpräsident betonte: „Infrastrukturmaßnahmen finden in der Regel besondere Aufmerksamkeit im Negativen.“ Wenn er die Presse verfolgt habe, sei er nicht immer der Auffassung gewesen, dass die letzte Sachkenntnis die Berichterstattung geprägt hat. Auch sei sie nicht immer frei von Häme gewesen. „Selbstverständlich ist es immer klug zu bedenken, was wir tun und allemal mit öffentlichem Geld. Und selbstverständlich muss man sich der Kritik stellen und das werden wir.“ Was man aber nicht gebrauchen könne: „Häme, Niedertracht und diejenigen, die grundsätzlich und immer gegen alles sind, weil sie grundsätzlich und immer uns nie zutrauen, dass wir Zukunft gestalten können.“ Anspruch sei, dass der Erfolg des Flughafens nachhaltig sei. Und das werde er auch sein.

Gerechtfertigte Investition
Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Foto: Bernd SchoelzchenOberbürgermeister Bertram Hilgen: „Wir heben ab, aber wir sind nicht abgehoben. Wir starten durch, aber wir fliegen auf Sicht.“ Kassel-Calden passe zur Region und sei eine Investition, die gerechtfertigt sei und die man verantworten könne. Er verwies auf die Dynamik der Region, Gewerbesteuerrekorde und die Tourismusentwicklung in Nordhessen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs befinde man sich nicht mehr am Rande, sondern in der Mitte Europas. „Man muss die Chancen, die sich so plötzlich aus dieser neuen geografischen Lage ergeben, auch konsequent nutzen.“ Das Schicksal Nordhessens hänge nicht an Kassel-Calden, aber es sei ein wichtiger Baustein im Set von Verkehrsverbindungen, die man braucht, um ein attraktiver Standort zu sein und künftig noch stärker zu werden.

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