Ungewöhnliche Berufungen: 27. Kasseler Gespräche

Er sei vor langer Zeit in Kassel in die Berufsschule gegangen, während seiner Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann, verriet Melsungens Handballtrainer Michael Roth bei den 27. Kasseler Gesprächen mit dem Titel „Kassel umwerfend“. Bei den Gesprächen zwischen der Journalistin Petra Nagel und  ihren Podiumsgästen gab es ungewöhnliche Lebensgeschichten und Einblicke in die jeweiligen beruflichen Laufbahnen. Michael Roth, ehemaliger Handballnationalspieler und Trainer des Bundesligisten MT Melsungen, erzählte vom Handball und von Motivationsprogrammen, aber auch von der Prostata-Erkrankung, die er und sein Zwillingsbruder Uli fast zeitgleich mit 47 Jahren erleiden mussten. „Es war Glück im Unglück, dass die Krankheit früh entdeckt wurde“, erzählte der gebürtige Franke. Über die Krankheit entstand das Buch „Unser Leben, unsere Krankheit“ und die Roths wurden eine Art „Botschafter“ für Früherkennung und Vorsorge bei Männern.

Petra Nagel inmitten einer illustren Talkrunde, bestehend aus Korsett-Expertin Susanne Braasch, Künstler Berahna Massoum und Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (v.l.) sowie MT-Trainer Michael Roth und mhk-Gartenhistoriker Siegfried Hoß. Foto: Mario Zgoll

Petra Nagel inmitten einer illustren Talkrunde, bestehend aus Korsett-Expertin Susanne Braasch, Künstler Berahna Massoum und Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (v.l.) sowie MT-Trainer Michael Roth und mhk-Gartenhistoriker Siegfried Hoß. Foto: Mario Zgoll

Blühende Raritäten bezaubern im Bergpark
Petra Friedrich war mit von der Partie, seit Mai 2011 neue Stadtverordnetenvorsteherin in Kassel. Die 52-Jährige schilderte die neuen, repräsentativen Aufgaben. Und erklärte ihre Motivation, sich in der SPD zu engagieren. Sich einzusetzen, sei ihr wichtig, so die Diplom-Verwaltungswirtin. Das Amt sei auf sie zugekommen, erklärte sie. Auf die kommenden fünf Jahre als Stadtverordnetenvorsteherin mit documenta und Stadtjubiläum sei sie sehr gespannt. Der Gartenhistoriker der Museumslandschaft Hessen-Kassel, Siegfried Hoß, hatte einen blühenden Tulpenbaum-Zweig aus dem Bergpark Wilhelmshöhe mitgebracht. Eigens für den Abend, denn normalerweise ist das Abschneiden von Zweigen und Blumen im Park natürlich verboten. Ob Taschentuchbaum oder Tulpenbaum: Im Bergpark sind seltene Pflanzen zuhause und alles ist mit System und Plan angelegt. Historische Vorgaben zu erhalten, das ist eine Aufgabe des Gartenhistorikers.

Taillenträume aus Bad Wilhelmshöhe
Ein Beispiel sind die Teppichbeete vorm Schloss Wilhelmshöhe. Sowohl Farben als auch Muster werden nach alten Vorlagen gepflanzt – und die Pflanzen in der eigenen Gärtnerei der Museumslandschaft herangezogen. Spannend auch eine alte Korkscheibe: Teil des komplizierten mechanischen Systems für die Wasserspiele – deren Gelingen nur vom Schieben und Verriegeln ausgeklügelter Mechanik abhängig ist, nicht etwa von Computern und Elektronik. Zwei Schneiderpuppen im Café Nenninger charakterisierten den Beruf von Susanne Braasch: Sie ist Chefin des Korsett Ateliers in Bad Wilhelmshöhe. Bei ihr werden Taillenträume in maßgefertigten Korsetts wahr, aber auch Miederwaren gehören zum Sortiment. Vor zwanzig Jahren ist die gelernte Buchhändlerin ins kalte Wasser gesprungen und hat ihr Atelier aufgemacht. Mittlerweile hat sie international einen Namen und bietet Korsetts für Frauen und Männer an. Ein Korsett, so Susanne Braasch, verändere die Haltung, gebe Halt und Körpergefühl, sei natürlich auch erotisch.

Porträts und Skulpturen
Eine hockende Frau, eine Bronzestatur vor der Bühne erregte viel Aufmerksamkeit: geschaffen von Künstler Berahna Massoum. Über drei Monate habe er jeden Tag an dieser Skulptur gearbeitet, erzählte er. Jeder Skulptur geht eine Zeichnung voraus, dann entsteht die Form, die in Bronze gegossen wird. Der Bildhauer hat ein Atelier in Kassel, fertigt Zeichnungen und Skulpturen. Gerade habe er in Los Angeles Arnold Schwarzenegger porträtiert, erzählte er. Viel Prominenz in aller Welt zählt zum Kundenkreis des in Kabul geborenen Künstlers, der in Moskau an der Kunstakademie studiert hat und seit 1986 mit seiner Familie in Deutschland lebt. Für jedes Porträt blicke der Zeichner seinem Gegenüber in die Seele, so Berahna Massoum.

Moderatorin Petra Nagel verabschiedete sich in die Sommerpause und versprach für die kommenden Kasseler Gespräche am 25. August 2011 wieder eine außergewöhnliche Gästerunde.

Reservierungen unter Telefon (0561) 7661690, Eintritt: 9 Euro.

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