Frau Goethe ist tot: Trauer um Anneliese Hartleb

Sie wird in Kassel liebevoll „Frau Goethe“ genannt – nun ist Anneliese Hartleb im Alter von 93 Jahren verstorben. „Sie war die Grande Dame des Kasseler Kulturlebens“, würdigte Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Verstorbene. Bis ins hohe Alter war sie bei zahlreichen öffentlichen Anlässen ein gerngesehener Gast, kompetente Ratgeberin und Sympathieträgerin ihrer Heimatstadt Kassel, der sie sich tief verbunden fühlte.

Anneliese Hartleb, „Frau Goethe“ feierte ihren 90. Geburtstag in der Ingenieurschule der Universität in Kassel. Foto: Bernd Schölzchen

Anneliese Hartleb, „Frau Goethe“ feierte ihren 90. Geburtstag in der Ingenieurschule der Universität in Kassel. Foto: Bernd Schölzchen

Aufgewachsen in Kassel, hatte sie die Liebe zur Kultur bereits in ihrem Elternhaus aufgesogen. Das sollte für ihr Leben Das sollte für ihr Leben prägend werden. Anneliese Hartleb wechselte später nach einer kaufmännische Lehre als Redakteurin für Mode und Kultur in den Journalismus.

Hierbei wurde sie zu einer Netzwerkerin und gewann Menschen für Ihr Engagement in Kultur und Geistesleben der Stadt. In einem Alter, in dem andere an Ruhestand denken, startete sie erst richtig durch. „Anneliese Hartleb war ein Wirbelwind in Kassels Kulturlandschaft. Stets gut gelaunt hatte sie für jeden ein persönliches Wort und ihr gewinnendes Lächeln übrig. Mit Ihrem Charme hat sie viele Türen und Herzen geöffnet“, so Oberbürgermeister Hilgen.

Erfolgreich war sie ganz besonders in ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin der Goethe-Gesellschaft Kassel: Als sie dieses Amt 1974 übernahm, zählte die Gesellschaft gerade einmal 38 Mitglieder – am Ende ihres Wirkes 2002 waren es mehr als 1000. Die Goethe-Gesellschaft Kassel war damit zum größten Ortsverein der internationalen Goethe-Gesellschaft Weimar gewachsen, deren Ehrenmitglied Anneliese Hartleb ist.

Hartleb engagierte sich auch stark für die Universität Kassel, deren Ehrenbürgerin sie war. Ab 1974 gehörte sie dem Gründerkreis der damaligen Gesamthochschule und seit 1981 dem Hochschulbund an. Viele Jahre lang setzte sie sich mit Liebenswürdigkeit und Nachdrücklichkeit als Botschafterin der Universität ein. Darüber hinaus rief sie Sponsoring-Aktionen etwa für die Murhardsche Bibliothek ins Leben. Auch die Arthur Fandrey-Stiftung für den Fachbereich Germanistik der Universität Kassel geht auf ihr Wirken zurück. Die Goethebüste im Stadthallengarten hat sie gestiftet.

Mit zahlreichen Auszeichnungen haben Staat und Gesellschaft das Wirken Anneliese Hartlebs gewürdigt, darunter der Wappenring der Stadt Kassel, die Stadtmedaille, das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Universitätsmedaille. Bis ins hohe Alter blieb Anneliese Hartleb im Kasseler Kulturleben präsent. Stets freundlich und interessiert, war sie dabei immer bestens im Bilde über die aktuellen Entwicklungen ihrer geliebten Heimatstadt.

„Glaube, Liebe, Hoffnung – diese drei Tugenden waren nach ihrem eigenen Bekunden die Lebensmaximen von Anneliese Hartleb. Es ist beeindruckend, welche Kraft und welch bewundernswertes Engagement sie daraus schöpfte. Wir werden sie vermissen“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen.

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