Holger Schach: Wettbewerbsvorteile durch stetige Innovation

Nun mal langsam – Nordhessen hat sich immer von Visionen leiten lassen, und die meisten davon sind eingetroffen. Mit der Gründung des Regionalmanagements wurde die Vision verbunden, durch stärkere Kooperation die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen. Dies hat, wie die Zwischenbilanz vor zwei Jahren gezeigt hat, besser funktioniert als erwartet – denn die Arbeitslosenquote von zwölf Prozent wurde mehr als halbiert.

Holger Schach. Foto: nh

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Die neuen Herausforderungen zeigt unser nunmehr schon zwei Jahre altes, aber immer noch acht Jahre gültiges Leitbild Nordhessen 2022 auf (siehe Kasten auf Seite 17). Es trägt vor allem den neuen Erkenntnissen Rechnung, dass nun nicht mehr die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, sondern die von qualifizierten Arbeitskräften ein entscheidendes Entwicklungshemmnis werden könnte. Vor allem bei hochqualifizierten Fach- und Führungskräften herrscht bundesweit ein immer stärker werdender Standortwettbewerb. Noch sind die Ballungsräume mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten und urbanen Attraktionen im Vorteil. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass diese durch fast ungebremsten Zuzug in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unattraktiver werden, die Kosten für Wohnen und Arbeiten steigen und Standortalternativen wie Nordhessen bedeutender werden. So dürften auch Unternehmen ihre Betriebsstätten verlagern, weil die Kosten für Gewerbeimmobilien nicht mehr rentierlich sind. Auch die Diskussion um die Mietpreisbremse zeigt, wie sich die Wohnungsmarktsituation stetig verengen wird. Deshalb gilt für uns: Nordhessen muss mit seinem unvergleichlichen Freizeitwert, seinen wettbewerbsfähigen und hoch innovativen Unternehmen und der zentralen Lage in Deutschland – praktisch jede Großstadt ist in kürzester Zeit zu erreichen – punkten.

Das ist aber längst nicht alles. Mit Blick auf das noch sehr ferne Jahr 2032 gehen wir davon aus, dass derzeit noch eher marktferne Technologien wie die Elektromobilität sich zunehmend durchsetzen werden. Hier verfügt die Region Nordhessen mit ihren Kernkompetenzen im Bereich der Mobilität und der Energiesystemtechnik über beste Voraussetzungen, nicht nur die Grundlagenforschung, sondern auch die Anwendung so voranzutreiben, dass das schon jetzt hervorragende Profil in diesem Bereich weiter ausgebaut wird. Nur wenn es gelingt, stetige Innovationen und damit Wettbewerbsvorteile zu generieren, kann die Region in eine positive Zukunft blicken. Dass sie dazu in der Lage ist, hat sie in den letzten Jahren bestens unter Beweis gestellt. Deshalb ist das entscheidende, kaum zu kalkulierende Zukunftsrisiko die demografische Entwicklung. Auch die Menschen in Nordhessen werden älter, sind irgendwann nicht mehr erwerbstätig, und weniger Junge kommen nach. Hier sind alle Kräfte in der Region gefordert, um Abhilfe zu schaffen. Andererseits hängt gerade dieses Thema ganz entscheidend von Rahmenbedingungen ab, über die die Region nicht selbst entscheiden kann. Das ist ähnlich wie beim Thema Erneuerbare Energien, wo Nordhessen noch stärker als andere Regionen von der Förderung profitiert hat. Trotzdem wird sie in der Lage sein, diesen Markt auch in einem wettbewerbsorientierten Umfeld zu nutzen.

Festzuhalten ist also: Wir orientieren unsere Prognosen an Trends, die sich aber wie so häufig grundlegend ändern können, weil wichtige Einflussfaktoren nicht bekannt sind. Das spektakulärste Beispiel ist die Bevölkerungsprognose für Deutschland aus dem Jahr 1960, die für das Jahr 2000 einen Bevölkerungszuwachs auf 200 Millionen Einwohner vorhergesagt hat. Keiner wusste damals, dass der Trend mit der Erfindung der Antibabypille zwei Jahre später zur Makulatur geworden ist. Gleiches gilt auch für die kritischen Prognosen für Nordhessen. Deshalb ist wichtig, dass wir uns von einer gemeinsamen Vision leiten lassen und unser Handeln daran orientieren.

Holger Schach
Regionalmanager

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