Tun statt „Ich müsste ja endlich auch mal …“

Transferstärke – Neues und Gelerntes im Alltag umsetzen

Wann war Ihr letztes Seminar, das Sie mit dem Satz verlassen haben: „Das nehme ich mit und setze es auf alle Fälle im Alltag um?“ Oder welches Vorhaben aus den letzten Monaten beginnt in Ihrem Kopf noch mit: „Ich müsste mal unbedingt …?“

Gelerntes oder Neues umsetzen gelingt im Alltag unterschiedlich gut. Wieso schaffen es Menschen besser als andere, Lern- und Veränderungsimpulse umzusetzen? Wenn man dieser Frage in unserem Beratungsalltag nachgeht, stößt man auf bestimmte Selbststeuerungskompetenzen. Darin machen vier Faktoren die Kompetenz der Transferstärke aus.

Die Frage, woran es liegt, dass die einen gelernte Inhalte und Veränderungen gut und andere weniger gut umsetzen können, ist eine der Kernfragen unserer Kunden. Eine Frage, die jeden Menschen auch für sich selbst betrifft, denn wenn man weiß, was die Transferstärke in uns selbst ausmacht, ist es möglich, daran entwickelnd zu arbeiten. Der Begriff Transferstärke fasst Einstellungen und Fertigkeiten zusammen, die wir in vier Faktoren zusammenfassen können.

Foto: fotolia.de

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Faktor Nr. 1: Offenheit für Weiterbildungs- und Veränderungsimpulse
Menschen mit diesem ausgeprägten Anteil empfinden Neues, Impulse und Weiterentwicklungen als nützlich. Ihre Offenheit prägt ihr Gesamtverhalten und ist Grundlage für jede Art von Weiterentwicklung. Sie lassen sich auch auf Neues und Ungewohntes ein und erweitern damit Zeit ihres Lebens ihr Handlungsspektrum, weil sie bereit sind, eingeübte Routine zu verlassen und sich auszuprobieren. Im Trainingsalltag sprechen wir vom Verlassen der eigenen Komfortzone und Hineinbewegen in die Lernzone, so dass diese Menschen ihr Verhaltensrepertoire erweitern und flexibilisieren. Der sogenannte Tunnelblick, der sich durch dauerhafte Routine eher verschärft, wird durch die Offenheit verkleinert.

Faktor Nr. 2: Selbstverantwortung für den Umsetzungserfolg
Mit diesem Faktor gut ausgestattet zu sein bedeutet, dass es ein aktives eigenes Bemühen gibt, Neues in die Tat umzusetzen. Menschen mit dieser Ausprägung ergreifen Initiative und sind aktiv. Dies gelingt ihnen, weil sie in der Lage sind, sich selbst zu motivieren und sich selbst neue Methoden und Verfahrensweisen zu erarbeiten oder ungünstige Verhaltensweisen zu verändern. Sie machen sich klar, in welchen Schritten sie vorgehen müssen, haben die nötige Umsetzungsstrategie und lassen sich nicht durch den anfänglichen Mehraufwand von den Vorsätzen abbringen.

Die Stolperfalle bei diesem Faktor ist häufig, dass der eigene Nutzen nicht ausreichend erkannt wird, um die nötige Veränderungsenergie freizusetzen. Vielen Teilnehmern fehlt auch das Handwerkszeug, wie sie Ideen in konkrete Schritte übersetzen. Und ein dritter Stolperstein ist das sogenannte „False Hope Syndrom“: Die falsche Annahme von Veränderungsmechanismen im Sinne von: „Jetzt habe ich im Seminar ja alles gelernt, alles weitere wird sich schon im Alltag ergeben.“

Nicht das Lernen im Seminarraum verändert den Alltag, sondern der selbstständige Transfer in die Alltagsroutine – ob beruflich oder privat.

Ilka Jastrzembowki, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung Müller + Partner. Foto: nh

Ilka Jastrzembowki, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung Müller + Partner. Foto: nh

Faktor Nr. 3: Rückfallmanagement im Arbeitsalltag
Die Umsetzung von Neuem steht häufig im zeitlichen Konflikt mit dem operativen Geschäft des Alltags. Deshalb sprechen wir oft im Beratungsalltag von den „Ich müsste mal …-Aufgaben“, die sich in unserem Kopf drehen, aber ständig verschoben werden, weil sie zeitlich selten einen dringenden Aspekt haben. Wichtig sind sie, aber es fragt ja keiner danach – so dass auch Seminarinhalte häufig mit den guten Vorsätzen schnell ins Hintertreffen geraten bzw. dem operativen Geschäft zum Opfer fallen. Daher haben die Menschen mit diesem ausgeprägten Faktor die Selbstmanagementfähigkeit, sich nicht vom vermeintlich dringenden und spontanen Tagesgeschäft ablenken zu lassen. Sie priorisieren realistisch und vorausschauend und schaffen damit die erforderlichen Zeiträume. Ihnen gelingt auch eine Steuerung unter Stress und Zeitdruck, so dass auch Erinnerungen in Form von Wiedervorlagen und Notfallpläne gegen Rückfälle vorhanden sind.

Faktor Nr. 4: Positives Selbstgespräch bei Rückschlägen
Menschen mit diesem ausgeprägten Faktor sehen Rückfälle in alte Muster oder Fehlschläge als normal und dazugehörig an. Ihnen ist klar, dass das Bestreben, Gewohnheiten zu ändern oder Neues umzusetzen, begleitet wird von hohem Energieaufwand, Abschnitten von Frustration und Lustlosigkeit. Kleine Erfolge auf dem Weg wahrzunehmen und zu schätzen, ist eine wichtige Voraussetzung sowie die Fähigkeit, in den inneren konstruktiven Dialog zu gehen bei Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten. Ein starkes Schwarz-Weiß-Denken und die Einstellung, dass Rückschläge Versagen und Katastrophen sind, verringern die Transferstärke, weil der Weg dahin nicht gewürdigt und daher häufig verworfen wird.

Mit dem Wissen um diese vier Faktoren der Transferstärke sind Sie als Teilnehmer von Trainings, Coachings etc. sowie als Führungskraft von teilnehmenden Mitarbeitern in der Lage, die richtigen Stellschrauben zu erkennen und mit ihnen im Sinne einer Umsetzung zu arbeiten. Denn sie erkennen: Wo liegen meine Stärken für den Umsetzungserfolg und wo meine Risiken und Schwächen? Und wie sagte schon Goethe: Erfolg hat drei Buchstaben –TUN!

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