Killer hinter Glas

Mit vielen Terrarien live im Naturkundemuseum: Gift-Tiere
Es gibt sie überall. Auch da, wo man sie nicht vermutet. Ihre chemischen Waffen: präzise justiert, deren Zusammensetzung: höchst vielfältig. Und dennoch sieht kein giftiges Tier den Menschen als Beute. Eher als etwaige Bedrohung, die es abzuwehren gilt. Die weltweit betriebene Erforschung der Tiergifte – Herzgifte, Nervengifte, Blutgifte, Muskelgifte – eröffnet indes sogar neue Chancen für die Medizin.

In Afrika zuhause: die Blattgrüne Mamba. Foto: Jan Hendrik Neumann

In Afrika zuhause: die Blattgrüne Mamba. Foto: Jan Hendrik Neumann

Nur 25 der bekannten 2.400 Skorpionarten und nur 30 der bekannten 40.000 Spinnenarten können mit ihrem Biss tatsächlich einen Menschen töten. Ob man jedoch durch giftige Tiere in Gefahr geraten kann, hängt vor allem davon ab, wo man sich gerade befindet und wie gut die dortige Gesundheitsversorgung funktioniert. In Australien etwa, wo besonders viele giftige Tiere vorkommen – mit der Seewespe die giftigste Qualle der Welt, mit der Sydney-Trichternetzspinne die wahrscheinliche giftigste Spinne der Welt, mit dem Inland-Taipan die giftigste Schlange der Welt sowie der Östlichen Braunschlange auch die zweitgiftigste Schlange der Welt, mit dem blaugeringelten Kraken, der mit seinem Gift in kürzester Zeit 25 Menschen töten könnte (was er aber zumeist bleiben lässt) – kam es dennoch von 2000 bis 2013 nur zu 64 Todesfällen, die meisten davon durch Schlangen und Bienen. Dem gegenüber stehen jährlich weltweit 125.000 Todesfälle und 300.000 dauerhaft davongetragene Gesundheitsschäden, ausgelöst allein durch Giftschlangenbisse, die sich vorwiegend in den Tropen ereignen, wo es kaum Medizinfür die oft betroffene ländliche Bevölkerung gibt.

Kleiner Stich, große Wirkung
Für uns Mitteleuropäer noch am bedrohlichsten: Ein Bienenstich, mit seinem folgenreichen Giftcocktail. Als darin enthaltene Allergene erweitert Histamin die Blutgefäße, verursacht Schwellungen, Juckreiz und lokalen Schmerz, Hyaloronidase verstärkt die Gewebedurchlässigkeit und die Durchblutung – das Gift verteilt sich so schneller im Körper, und Phospholipase löst die Zellmembranen auf und hemmt die Gerinnung. Apamin wirkt zudem als starkes Nervengift und unterdrückt das Immunsystem, ebenso wie das stark zellschädigende Melittin, das darüber hinaus auf das zentrale Nervensystem wirkt und – in hoher Konzentration – Atembeschwerden, Entzündungen und Schmerzen verursacht, den Blutdruck senkt und ebenfalls die Gerinnung hemmt. Bei Allergikern kann schon ein einzelner Bienenstich zum lebensgefährlichen Schock führen, für gesunde Menschen wird es erst ab etwa 100 Stichen ernst. Viel ernster wäre es natürlich bei einem Stich der australischen Sydney-Trichternetzspinne, doch selbst diese macht sich schon, wie die Bienen, nützlich: Gerade arbeiten Wissenschaftler daran, aus ihrem Gift einen Wirkstoff gegen die Spätfolgen von Schlaganfällen zu entwickeln.

Zu den zahlreichen lebenden Gift-Tieren, die noch bis zum 13. Oktober in der Ausstellung zu sehen sind, gehören unter anderem der Gelbe Dickschwanz-Skorpion (sehr giftig, erkennbar an seinen besonders dünnen Scheren), die Gila-Krustenechse, der Steppenwaran und die besonders eindrucksvolle Königskobra.

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