Bertram Hilgen: Lebendige documenta berührt und begeistert

 Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Foto: nh

Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Foto: nh

Alle fünf Jahre wird Kassel noch ein bisschen schöner, einen Klecks bunter und ein Stück aufregender. Als ob unsere Stadt nicht schon verwöhnt genug wäre mit den vorhandenen kulturellen Schätzen und einer unglaublich vielfältigen Kunst- und Kulturszene, die deutlich größeren Städten zur Ehre gereichen würden, beschert uns ein documenta-Sommer eine Opulenz an sinnlichen Eindrücken und konfrontiert uns mit neuen Erfahrungen und Sichtweisen. Am liebsten möchte man sich hundert Tage am Stück inmitten dieser zauberhaften Atmosphäre treiben lassen.

Hunderttausende kunstbegeisterte Menschen aus aller Welt begegnen sich in diesen Tagen wieder in Kassel. Sie machen die ganze Stadt zur Bühne, genießen unsere Gastfreundschaft und sind doch selbst Teil einer wunderbaren Inszenierung. Und selbst diejenigen, die sich der Kunst nur scheu oder mit Vorbehalten nähern, lassen sich von dem besonderen Flair anstecken, das ein documenta-Jahr so unverwechselbar macht. In solchen Zeiten wird uns bewusst, wie bereichernd Kreativität ist und wie wertvoll die Beiträge von Kunst und Kultur sowie die Energie, die die kreativen Milieus unserer Stadtgesellschaft entfachen, für unser Zusammenleben sind. Ja, sie sind geradezu existenziell und wirken entscheidend mit, um Lebensqualität, Toleranz und ein offenes Klima entstehen zu lassen.

Dass das Fachpublikum, dass die Kunstwelt, dass die Feuilletons über die dOCUMENTA (13) so zustimmend, bisweilen euphorisch berichten sowie bewundernd wie wertschätzend von der immer noch wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst weltweit sprechen, macht uns stolz. Nicht so sehr wegen ihrer unangefochtenen Ausnahmestellung und der Aufmerksamkeit, die ihr und damit auch unserer Stadt zuteilwird, sondern weil Kassel das Kunststück fertigbringt, immer wieder die Freiräume zuzulassen und zu schützen, in dem sich all die Kreativität und der Ideenreichtum entfalten kann, der uns dann hundert Tage lang berührt und begeistert – und nachhallt, bis wir uns mit Vorfreude und Neugier auf die nächste documenta einlassen. Carolyn Christov-Bakargiev und ihr Team haben etwas Großartiges entstehen lassen: Eine sehr lebendige documenta, die – ausgehend vom Leitmotiv „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ – so viele Schauplätze im Kasseler Stadtraum bespielt wie nie zuvor und vielfältigste stadthistorische Bezüge herstellt; die eine Bestandsaufnahme der drängenden Menschheitsfragen liefert und Krisenszenarien der Gegenwart in den Blick nimmt; die Wege und Strategien aufzeigen will, diese Probleme zu überwinden, ohne Heilung zu versprechen; und die gleichzeitig voller poetischer und magischer Momente ist. Die Auseinandersetzung mit ihr lohnt und deshalb wünsche ich mir, dass viele Menschen bis zum 19. September den Dialog mit den Künstlern und ihren Werken suchen. „So schön war Kassel noch nie“, brachte eine Journalistin ihr persönliches documenta-Erlebnis auf den Punkt. Ich werde dem nicht widersprechen.

Mit besten Gruß
Bertram Hilgen
Oberbürgermeister der Stadt Kassel

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