Über die Freude am Unternehmen

Ich kann mich noch lebhaft an die langen Geschäftsreisen zu Kunden erinnern. Anfang der 90er Jahre war ich überdurchschnittlich viel unterwegs. Es waren spannende Zeiten. Die Druck- und Verlagsindustrie war mitten im Umbruch. Disruption sagt man heute dazu. Wir sind damals einfach losgezogen. Den Kopf voller verrückter Ideen und ohne konkrete Vorstellung wie wir sie lösen würden.

Conrad Fischer, Verleger. Foto: Christophe Hamdaoui

Immer mit dabei Michael unser Chefentwickler. Ein totaler Querkopf, aber ein wunderbarer Mensch. Michael, Israeli, roter Wuschelkopf und Kettenraucher, war völlig zufällig bei mir aufgeschlagen. Vermittler war ein Kölner Unternehmer der gehört hatte, dass im nordhessischen Melsungen im Bereich der digitalen Medien was geht. Michael wollte mit seinen beiden kleinen Kindern gerne aufs Land ziehen. Das passte. Ich habe ihn damals eingestellt, ohne wirklich zu wissen, was ich mit einem Programmierer anfangen soll. Er konnte kaum Deutsch, aber er wollte etwas bewegen. Das war spürbar.

Auf diesen legendären Fahrten wurde diskutiert, ohne Unterbruch, in Englisch, stundenlang. Über Gott und die Welt, Politik, Religion und natürlich über Geschäftsideen. MutiMedia war damals die Neuerung im Medienbereich. Multimedia: Text, Bild, Ton Video, Animation, alles vereint im Personalcomputer und über Bildschirm ansteuerbar. Was heute Bestandteil jeder Waschmaschine ist, war damals neu und wir waren Pioniere und Treiber dieser Entwicklung.

Wir haben damals nicht darüber nachgedacht, welche Auswirkungen die Entwicklung auf das klassische Druck- und Verlagsgeschäft hat. Im Gegenteil, wir haben mit Freude daran gearbeitet, die Möglichkeiten der Technik nutzbar zu machen. Wir hatten Spass daran, etwas zu unternehmen und wir haben ausprobiert, was geht. Logisch, nicht alles hat immer geklappt.

Warum erzähle ich das? Unternehmertum lebt von der Veränderung. Wie man das nennt, ist egal. Allein die Bewegung ist wichtig. Mut ist erforderlich und vor allem der unerschütterliche Glaube an die Idee. Denn Skeptiker, Warner und Mahner sind ja immer sofort zu Stelle, wenn das darum geht, den Aufbruch zu begleiten. Mit den “Erfahrungen”, wie sie es nennen, stellen sie sich in den Weg. Der Aufbruch aber wartet nicht, und die Zukunft gehört denen, die sie aktiv gestalten. Geht nicht gibt’s nicht.

Etwas mehr von diesem Geist würde der Politik gut tun. Wer die Causa Maaßen hochspielt oder sich monatelang über einen Obelisken streitet, dem fehlt die Zeit, die Zukunft zu gestalten. Schlimmer, der versucht sich vor den wirklichen wichtigen Aufgaben zu drücken. Kein Wunder, dass die Menschen in den stillen, manche auch in den offenen Protest gehen.

Unternehmen, die sich nicht bewegen, verlieren erst Markt und später Mitarbeiter. Insofern ist es die Aufgabe aller, etwas zu unternehmen und zu gestalten. Wir leben in Deutschland und in Nordhessen auf hohem Niveau. Es geht uns so gut wie nie zuvor. Soziale Gerechtigkeit lässt sich nicht durch noch mehr Umverteilung erzielen. Die Aufgaben anpacken ist das, was zählbaren Erfolg für alle bringt.

Ihr Conrad Fischer
Verleger

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